Medizin-Sprichwörter im Check

Sauer macht lustig, Lachen ist die beste Medizin? Was an solchen Weisheiten wirklich dran ist

von Elke Schurr, 13.03.2018
Zitrone

Zitrone: Macht sauer wirklich lustig?


1. Wer rastet, der rostet

Um rostende Körperteile geht es nicht. Vielmehr will die alte Volksweisheit zu mehr Bewegung anregen, weil der Mensch sonst buchstäblich unbeweglich wird. Gelenke produzieren keine Schmiere mehr, Muskeln bauen sich ab. Auch viele Zivilisationskrankheiten gehen auf zu wenig Bewegung zurück. Gerade im Alter beeinflusst Bewegung das Herz-Kreislauf-System und die geistige Leistungsfähigkeit positiv. Es stimmt durchaus: Sich regen bringt Segen!

2. Lachen ist die beste Medizin

Wer öfter herzhaft lacht, wird es sicher schon gemerkt haben: Man fühlt sich gleich besser. Forscher bestätigen das: Abwehrzellen vermehren sich, Glückshormone auch, Stress wird abgebaut, Verspannungen und Schmerzen abgemildert. Doch selbst wenn Sie sich biegen vor Lachen: Notwendige Medikamente kann auch der beste Witz nicht ersetzen.

3. Sauer macht lustig

Typischer Fall eines Übersetzungsfehlers: Gelüstig müsste es heißen. Denn saure Speisen, etwa mit Essig Eingelegtes oder Getränke mit Zitronensaft, regen den Speichelfluss und die Verdauungssäfte des Magens an und wirken so appetitanregend. Sauer macht also hungrig.

4. Die Zeit heilt alle Wunden

Geduld ist gefragt, wenn körperliche Wunden, zumal die tiefen, heilen sollen. Umso mehr gilt Voltaires weiser Spruch für die seelischen Verletzungen, die das Leben schlägt. Negatives zu vergessen, Positives im Blick zu behalten und Trauer In schmerzloses Erinnern zu verwandeln – das ist oft eine Zeitfrage. Doch die moderne Trauma-Forschung weiß, dass es dazu auch einer aktiven Auseinandersetzung und Verarbeitung bedarf. Alle Wunden kann die Zeit ohnehin nicht heilen. 

5. Ne Zwiebel am Tach hält den Doktor in Schach

Es ist wie mit dem Apfel, der den Arzt fernhalten soll: Gemeint sind damit die vielen positiven Nähr- und Pflanzenstoffe, die in Obst und Gemüse stecken. Allzu wörtlich sollte man das alte Sprichwort also nicht nehmen. Eine Zwiebel allein bewirkt keine Wunder. Der Weisheit letzter Spruch setzt deshalb noch eins drauf: Gemüse und Obst – fünfmal am Tag!

6. Wer schläft, wird besser gesund

Wenn schon dem Lachen Heilsames nachgesagt wird, dann gilt das für den Schlaf erst recht. Im Ruhezustand verarbeitet und sortiert das Gehirn die Infos vom Tage, Stoffwechselprodukte werden ab-, Abwehrstoffe aufgebaut. Über die Zahl der dazu nötigen Schlafstunden ist man sich einig: Im Schnitt sollten es rund sieben sein. Tröstlich: Senioren gelangen zur erholsamen Ruhe auch portionsweise, selbst am Tag.

7. Wenn’s Arscherl brummt, ist’s Herzerl g’sund

Die poetisch-derbe Aufforderung, dem Herzen zuliebe zu pupsen, geht auf die Tatsache zurück, dass vermehrte Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt schmerzhaft aufs Zwerchfell und damit auch aufs Herz drücken können. Wer Windabgänge zurückhält, muss mit Blähungen und Krämpfen rechnen. Wer sie zulässt, spürt Erleichterung. Um mit Luther zu sprechen: "Warum rülpset und furzet Ihr nicht? Hat es Euch nicht geschmacket?"

Fachliche Beratung
Allgemeinmedizin: Prof. Thomas Kühlein, Universität Erlangen; Gastroenterologie: Prof. Thomas Frieling, Helios Klinik Krefeld


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