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So bleiben die Nieren gesund

Mit den Jahren steigt das Risiko für eine Nierenschwäche. Wie Sie Nierenproblemen vorbeugen können

von Kai Klindt , aktualisiert am 28.06.2016
Blutdruck zu Hause messen

Gute Blutdruckwerte tragen dazu bei, dass die Nieren gesund bleiben


Für dieses Organ kann sich Dr. Kirsten Menke begeistern. "Man muss sich das mal vorstellen", sagt die Apothekerin aus dem hessischen Dreieich, "180 Liter am Tag pressen unsere Nieren aus dem Blut. Und daraus bilden sie ein Konzentrat von einem bis zwei Litern Urin." Ein raffiniertes Geflecht aus Millionen kleiner Gefäße und Kanälchen filtert dabei Giftstoffe ab und hält den Wasserhaushalt im Lot. "Phänomenal", schwärmt die Pharmazeutin.

Das Thema Nieren findet Menke als Arzneimittelexpertin doppelt spannend. Neben der Leber sind die Nieren der wichtigste Ort, über den der Körper Medikamente­ entsorgt. Von der Funktion der beiden bohnenförmigen Filterorgane­ hängt ab, wie gut ein Mittel oder seine Abbauprodukte ausgeschieden werden. "Auf der anderen Seite gibt es viele Arzneien, die der Niere selbst schaden", weiß Kirsten Menke.

Dr. Kirsten Menke

Nierenleistung sinkt mit jedem Lebensjahr

Vor allem bei älteren Kunden hat die Apothekerin solche Aspekte im Hinterkopf. Im Lauf der Zeit schwächeln die Nieren. Ungefähr ab dem 30. Lebensjahr sinkt ihre Leistung mit jedem Jahr um etwa einen Prozentpunkt. Das bereitet meist wenig Probleme, weil die Kapazität des Organs von der Natur großzügig bemessen wurde: Schließlich kann ein Mensch auch mit nur einer gesunden Niere in der Regel gut leben. "Allerdings kann es nötig sein, die Dosis von Arzneimitteln an die nachlassende Nierenfunktion anzupassen", erklärt Menke.

Professor Dr. Galle

Gefährlicher wird es, wenn das Innenleben des Filters Schaden nimmt und nun beispielsweise auch Stoffe in den Urin gelangen, die dort nicht hingehören, etwa Eiweiß. "Setzt sich der Zerstörungsprozess ungebremst fort, steht am Ende eine Schrumpfniere, die ihre Entgiftungsaufgaben nicht mehr erfüllen kann", erklärt der Lüdenscheider Nephrologe Professor Jan Galle. Der Kranke muss an die Dialyse. Im Alter steigt das Risiko rasant an: Die weitaus meisten der rund 71.000 Dialyse-Patienten in Deutschland sind älter als 65. Zu den häufigsten Ursachen zählen Volkskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck, die sich typischerweise in der zweiten Lebenshälfte bemerkbar machen.

Diabetes schädigt die Nieren

Beide attackieren den schwachen Punkt der Nieren: die hauchdünnen Gefäßwände, an denen die Blutwäsche abläuft. Diabetes und Bluthochdruck – nicht selten kommt beides zusammen – zerstören die feinen Adern. In ähnlicher Weise kann auch Rauchen die Nieren schädigen. Das geschieht häufig über viele Jahre im Verborgenen. "Nierenleiden beginnen meist schleichend", sagt Jan Galle. "Der Patient merkt anfangs herzlich wenig davon." Wenn sich Symptome einer chronischen Nierenschwäche zeigen, Juckreiz oder häufiges Erbrechen etwa, sei "das Kind schon tief in den Brunnen gefallen". Mehr noch: Studien zeigen, dass eine schlechte Funktion des Filterorgans auch das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht.

Nierenschwäche: Früherkennung mit Urinbecher

Dass die Zahl der Dialyse-Patienten seit den 1990er-Jahren um rund 50 Prozent emporgeschnellt ist, liegt nach Meinung des Facharztes nicht zuletzt am Umgang mit dem Thema: "Gerade viele Senioren denken beim Stichwort Niere eher an Nierensteine. Die Nierenschwäche wird leider unterschätzt." Einem großen Teil der Betroffenen könnte die Dialyse erspart werden, gibt sich Galle überzeugt.

Dr. Uwe Popert

Zumal die Früherkennung eines beginnenden Nierenversagens recht einfach ist. Einmal im Jahr rät der Kasseler Hausarzt Dr. Uwe Popert Risikopatienten, etwa mit Bluthochdruck, zur Laborkon­trolle. Ein Urintest auf Blut- und Eiweißspuren gibt schnell Auskunft über Schäden an dem Organ. "Meist erledigen wir das im Rahmen des routinemäßigen Check-ups", erklärt Popert. In Kombination mit einer Blutprobe kann der Arzt gegebenenfalls auch die Klärfunktion der Nieren messen.

"Eine vernünftige Einstellung des Blutdrucks und eine gute Behandlung des Diabetes sind der beste Nierenschutz", lautet die Empfehlung des Allgemeinmediziners. Für Patienten, deren Nieren bereits in Mitleidenschaft gezogen wurden, gilt das umso mehr: Nach einer dänischen Studie etwa kann eine konsequente Diabetes- und Blutdrucktherapie das Fortschreiten der Erkrankung spürbar bremsen. Auch die Ernährung scheint einen Einfluss zu haben: Gesunde Kost mit viel Obst und Gemüse sowie pflanzlichen Ölen aus Oliven oder Raps senkt das Nierenrisiko, berichteten österreichische Wissenschaftler im vergangenen Herbst.

Nieren: Risiko Schmerzmittel

Gut zu den Nieren zu sein, das heißt für Apothekerin Kirsten Menke auch, einen kritischen Blick auf die Medikation ihrer Kunden zu werfen. "Viele Arzneimittel gehen an die Nieren. Problematisch sind vor allem Tabletten gegen Schmerzen und Entzündungen mit Wirkstoffen wie Diclofenac oder Ibuprofen und Präparate mit ASS." Einige dieser Medikamente gibt es in der Apotheke auch ohne Rezept. "Da sind wir bei der Beratung gefordert", meint die Apothekerin. "Wir müssen viele Fragen stellen, bevor wir die Arznei abgeben können – auch wenn mancher Kunde genervt reagiert." 

In einigen Fällen rät Menke, zunächst auf ein Präparat mit Paracetamol auszuweichen – wohl wissend, dass dies nicht immer genügt. "Doch vor der langfristigen Einnahme von Schmerzmitteln sollte der Patient mit seinem Arzt Rücksprache halten." Oft sei es eine Frage der Dauer und der Dosis.

Trinken für die Nieren?

Fakt ist: Wer dauernd zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt, riskiert ein akutes Nierenversagen. "Umgekehrt ist aber nicht bewiesen, dass viel trinken die Nieren schützt", sagt Nephrologe Jan Galle. Hat der Arzt eine Nierenschwäche festgestellt, kann ein Zuviel an Flüssigkeit sogar schädlich sein. Galle rät gesunden Senioren, die körperlich normal aktiv sind, zu anderthalb bis zwei Litern pro Tag – etwa Wasser oder Kräutertee, aber auch Kaffee zählt. Zuckerhaltige Erfrischungsgetränke wie Limonade oder Nektar sollte man meiden: Laut einer japanischen Studie von 2013 könnten sie das Risiko für Nierenleiden erhöhen.

Test: Wie hoch ist Ihr Risiko für eine Nierenschwäche?

Welche der folgenden Fragen können Sie mit "Ja" beantworten?

1. Haben Sie öfter geschwollene Beine?
2. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Urin in der WC-Schüssel schäumt?
3. Leiden Sie unter Diabetes?
4. Sind in Ihrer Familie Nierenerkrankungen bekannt?
5. Beträgt Ihr Taillenumfang mehr als 88 Zentimeter (Frauen) beziehungsweise mehr als 102 Zentimeter (Männer)?
6. Haben Sie Flankenschmerzen?
7. Ist Ihr Urin manchmal rot gefärbt?
8. Sind Sie Raucher?
9. Liegt Ihr Blutdruck bei 140/90 mmHg oder höher?

Auflösung:

Schon ein "Ja" bedeutet, dass Ihr Risiko für eine Nierenschwäche erhöht ist. Haben Sie die Fragen 1, 2, 6 oder 7 bejaht, könnte bereits ein Nierenleiden vorliegen. Suchen Sie in diesem Fall umgehend einen Arzt auf.


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