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So trainieren Sie Ihr Gehör

Für viele Ältere ist Hören vor allem eines: eine Strapaze. Unser Training schärft die Sinne – und bringt die Freude am Hören zurück

von Kai Klindt, 16.12.2016
Opa mit Enkelin

Flüsterpost: Auch das Gehör will trainiert werden


Der Hörverlust schleicht sich auf leisen Sohlen an. Mit 30, wenn es erste Lücken bei den hohen Tönen gibt, merkt man kaum etwas davon. Mit 60 sind die Einbußen für viele spürbarer, weil man nun oft Stimmen weniger gut versteht. Mit über 70 plagt sich mehr als jeder Zweite mit schlechtem Hören.

Katharina Müller

Im Laufe der Jahre schwinden die Sinneszellen im Innenohr. Dass Akustik für viele Senioren eine Hochleistungsdiziplin ist, hat jedoch auch mit Schwächen bei Arbeitsgedächtnis, Konzentration und Verarbeitung von Lauten im Gehirn zu tun, hat die Wissenschaft in den vergangenen Jahren entdeckt.

Die Münchner Forscherin Katharina Müller hat daher für die Leser des Senioren Ratgeber ein Hör- und Kommunikationstraining zusammengestellt. Ein Testlauf ergab, dass die Teilnehmer die Freude am Hören wiederentdeckten – und sich mancher danach für ein Hörgerät interessierte. Für Müller ein gutes Zeichen: "Man hat erlebt, wie bereichernd Hören ist."

Die Übungen eignen sich für Senioren mit und ohne Hörgerät. Generell gilt: Hörprobleme sollten Sie beim Ohrenarzt abklären lassen.

Übung 1: Dem Klackern auf der Spur

Suchen Sie sich eine belebte Stelle,­ zum Beispiel auf dem Marktplatz.­ Stöckelschuhe, Wortfetzen, Türenschlagen: Welche Geräusche können Sie identifizieren – und vor allem: Woher kommen sie?

Die Übung trainiert Ihr Richtungs­hören – eine Funktion, die wesentlich von Konzentration und Arbeitsgedächtnis abhängt. Wichtig auf der Straße!

Übung 2: Was zwitschert denn da?

Setzen Sie sich auf eine Parkbank, und schließen Sie die Augen. Was hören Sie: das Plätschern eines Brunnens, das Tuckern eines Rasenmähers, Kindergeschrei oder Vogelzwitschern? Überlegen Sie, was die Geräusche bei Ihnen auslösen: Freude, schöne Erinnerungen – oder vielleicht Ärger? Die Übung funktioniert auch auf dem Balkon oder der Terrasse!

Hier geht es um die emotionale Seite des Hörens. Wer unangenehme Geräusche erkennt, tut sich leichter, sie auszublenden.

Übung 3: Doppelt aufmerksam

Ihre Enkel sind zu Besuch? Dann versuchen Sie es doch einmal mit dieser Übung: Sie setzen sich in die Mitte, der Nachwuchs sitzt links und rechts von Ihnen. Nun beginnt jedes der beiden Kinder über ein anderes Thema zu reden. Sie versuchen, beiden Erzählungen zu folgen.

Eine echte Herausforderung – aber ein gutes Training! Die Fähigkeit zum Hören (und Verstehen!) in beide Richtungen verbessert das Sprachverstehen, besonders in geräuschvoller Umgebung.

Übung 4: Ohren spitzen

Gehen Sie dorthin, wo es trubelig zugeht – zum Beispiel in ein Einkaufszentrum. Bleiben Sie irgendwo stehen, spitzen Sie die Ohren, und konzentrieren Sie sich auf eine Tonquelle, etwa die Lautsprecherdurchsage oder das Gespräch zwischen dem Verkäufer und der Frau neben Ihnen. Alles andere blenden Sie so gut es geht aus!

Fachleute sprechen hier vom selektiven Hören: in einer lauten Umgebung das Wichtige herausfiltern. Das ist in erster Linie Kopfsache.

Übung 5: Machen Sie sich verständlich

Sie tun sich schwer, beim Skatabend oder in der Kaffeerunde alles mitzubekommen? Nehmen Sie sich fürs nächste Mal diese Übung vor: Sagen Sie es, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Erklären Sie in freundlichem Ton, wie man mit Ihnen reden sollte, damit Sie folgen können. Bitten Sie beispielsweise den Sprecher, langsamer und deutlicher zu reden oder den Satz in anderen Worten zu wiederholen.

Die Forschung weiß: Es ist besser, offen mit Schwerhörigkeit umzugehen, als sie zu vertuschen. Lautes Reden nützt übrigens niemandem: Wer schreit, müht sich ab und hat eine höhere Stimme – gerade damit haben hörbehinderte Menschen Probleme.

Übung 6: Schalten Sie auf stumm

20 Uhr, Tagesschau. Stellen Sie einfach mal den Ton an Ihrem Fernseher aus. Versuchen Sie nun, vom Gesicht des Sprechers abzulesen: Erraten Sie, was gesagt wird?

Um Gesprochenes zu verstehen, nutzen wir unbewusst auch optische Informationen: die Bewegungen von Lippen, Wangen, Zunge und Kehlkopf des Gegenübers. Die Übung schult den Blick dafür.

Extra-Aufgabe: Unternehmen Sie etwas mit Freunden, und vereinbaren Sie, dass dabei nicht gesprochen wird.

Auch die Gestik hilft verstehen. Ganz besonders, wenn Ihnen Personen vertraut sind!

Übung 6: Fünf Minuten fürs Ohr

Das geht im Café so gut wie im Dorfgemeinschaftshaus: Machen Sie fünf Minuten lang alles, um besser zu verstehen. Vorschläge: Platzieren Sie sich mit dem Rücken zur Wand. Bitten Sie Ihren Gesprächspartner, sich ins Licht zu setzen. Fragen Sie, ob die Musik leiser gestellt werden kann. Bitten Sie, dass man Sie beim Sprechen anschaut.

Jedes Hörproblem ist so individuell wie ein Fingerabdruck, sagen Experten. Deswegen: Probieren Sie so viel wie möglich aus, um herauszufinden, was Ihnen am besten hilft.


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