Medikationsanalyse: "Alles unter der Lupe"

Viele Ältere und chronisch Kranke müssen mehrere Arzneimittel einnehmen. Warum dann eine Medikationsanalyse sinnvoll ist, erklärt Apotheker Ulrich Koczian
von Elke Schurr, 06.10.2016

Ulrich Koczian ist Apotheker in Augsburg und Referent zum Thema Medikationsanalyse

W&B/Achim Graf

Ein Patient nimmt fünf Medikamente. Als er in die Klinik muss, wird etliches umgestellt. Danach kommt er nicht mehr klar. Ein Fall für Sie?

Ein typischer Fall. Gerade nach Klinikaufenthalten tauchen viele Probleme und Fragen auf: Wann muss ich welches Mittel wie einnehmen? Was verträgt sich noch? Warum wirkt ein Stoff plötzlich schwächer oder stärker? Oft kommen auch Angehörige und bitten um Hilfe. Denn je mehr Medikamente ein Patient gleichzeitig einnehmen muss, desto höher das Risiko, dass ihre zuverlässige Wirkung gefährdet ist.

Was unterscheidet die Medikationsanalyse von dem üblichen Beratungsgespräch?

Sie ist viel ausführlicher, schon weil sie aus drei Terminen besteht. Zunächst erfassen wir alle, wirklich alle Arzneimittel des Patienten: die auf Rezept, die nicht verschreibungspflichtigen Präparate wie Schmerzmittel und nicht zuletzt die Nahrungsergänzungsmittel. Das heißt auch solche, die nicht unbedingt auf der Stammkundenkarte von der Apotheke gespeichert sind.

Wie gehen Sie dabei vor?

Der Patient bringt einfach alles in einer Tüte mit. Zu manchem Kunden gehen wir auch nach Hause, wenn er das wünscht. Das hat den Vorteil, dass wir auch über den geeigneten Aufbewahrungsort der Medikamente reden können.

Weiß nicht der Hausarzt über die gesamte Medikation seines Patienten Bescheid?

Nicht unbedingt. Wenn Fachärzte zusätzliche oder andere Präparate verordnen, etwa ein Kardiologe ein neues Blutdruckmittel, bekommt der Hausarzt es mitunter nicht mitgeteilt. Es kann deshalb passieren, dass Patienten ähnlich wirkende Mittel gleichzeitig einnehmen, anstatt das eine gegen das andere auszutauschen.

Frau liest Beipackzettel

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Sprechen Sie auch über Einnahmefehler?

Und ob! Viele Patienten nehmen ihre Medikamente völlig anders ein, als es Arzt oder Apotheker vorgesehen oder ihnen aufgeschrieben haben. Das ist leider Alltag. In einem zweiten Schritt kontrollieren wir deshalb nicht nur die Dosis, Einnahmezeitpunkte und mögliche Wechselwirkungen, sondern lassen uns auch bestimmte Handhabungen zeigen, etwa wie der Patient ein Spray inhaliert, aber auch wie er Blutzucker misst.

Und was steht am Ende der Anal­yse, was kommt dabei heraus?

Danach erstellen wir einen neuen Medikationsplan, der auch mit dem Hausarzt abgesprochen ist. Diese Liste enthält die aktuelle Medikation zusammen mit der Information, wie viel der Patient von welchen Präparaten einnehmen soll und warum. Und zwar in verständlicher Sprache. Das ist ganz wichtig.

Aber der Patient weiß doch, wogegen eine Arznei hilft?

Nein. Oft weiß ein Patient nicht, warum er ein Mittel einnehmen soll. Dann weiß er aber auch nicht, welche Wirkung er erwarten kann. Die Enttäuschung, dass etwas nicht hilft, beruht oft auf falschen Erwartungen.

Eine Medikationsanalyse ist aufwendig. Kostet sie etwas?

Kostenlos können wir das leider nicht anbieten. Mit zirka 60 bis 100 Euro müssen Sie rechnen. Fragen Sie Ihren Apotheker, ob er so etwas macht. Die Ausgabe lohnt sich, weil Sie damit langfristig in Ihre Gesundheit investieren. 


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