Online einen neuen Partner finden

Viele alte Menschen in Deutschland sind Single und möchten das ändern. Deshalb sehen sie sich online um. Mit diesen Tipps umgehen sie Fallstricke bei der Partnersuche im Internet
von Dagmar Fritz, 12.04.2016

Das Glück der späten Liebe: Viele suchen heute online nach einem Partner

Thinkstock/Goodshot

Viele Senioren sind gesund, aktiv und finanziell abgesichert. Nur eines fehlt ihnen zu ihrem Glück: Ein Partner oder eine Partnerin, mit dem oder der sie durchs Leben gehen können. Ein Drittel der Menschen über 65 Jahre lebt in Deutschland alleine.

Eine Schulter zum Anlehnen, ein Partner für interessante Gespräche, das Gefühl von Nähe und Geborgenheit: Es gibt genug Gründe, sich eine bessere Hälfte zu suchen. Zudem machen Aktivitäten wie Theater, Konzerte oder Reisen gemeinsam mehr Freude. "Bei Männern wirkt sich das Zusammenleben im Alter sogar positiv auf die Lebenserwartung aus", sagt Professor Hartmut Radebold, Psychiater, Psychoanalytiker und Begründer der deutschsprachigen Alterspsychotherapie. In einer Partnerschaft passen beide Seiten aufeinander auf.

Online-Partnervermittlungen – eine neue Liebe aus dem Internet?

Die meisten Senioren suchen im Alter nach einem Menschen, der ein ähnliches Weltbild teilt, gleiche Interessen, Hobbys und Einstellungen hat. Falls man aber im Freundeskreis, im Verein oder zufällig im Alltag niemanden trifft, der zu einem passt, gibt es im Internet eine Fülle von Anbietern, die sich auf die Vermittlung von Senioren spezialisiert haben: Partnervermittlungen und Dating-Börsen haben den Trend erkannt und versuchen die Zielgruppe der "Silversurfer" zu erreichen.

Bei den größten Partnervermittlungen suchen bis zu 500.000 Singles von 18 bis über 80 Jahren jede Woche online nach einem neuen Partner. Dabei werden kostenpflichtige Online-Partnervermittlungen eher von ernsthaft Suchenden bevorzugt. Bei kostenlosen Kontaktportalen und Singlebörsen tummeln sich mitunter auch Menschen, die sich nur ein kurzfristiges Abenteuer wünschen.

Wie findet man den richtigen Partner?

Das Prinzip der Online-Partnervermittlung ist einfach: Über einen ausführlichen Online-Fragebogen wird ein Profil über die Beziehungspersönlichkeit des Suchenden erstellt. Die Fragen sollen unter anderem klären, welche Erwartungen man an einen neuen Lebenspartner hat, wie viel Nähe man in einer Partnerschaft möchte und wie man sich bei einem Streit verhält. "Dabei geht es nicht darum, jemanden zu finden, der so ist wie man selbst, sondern jemanden, mit dem man sich möglichst gut ergänzt", erklärt Markus Ernst, Psychologe, Paarcoach und psychologischer Berater einer großen deutschen Online-Partnerschaftsagentur.

Realistisch bleiben bei Selbstbeschreibungen

Die Fragen am besten ehrlich beantworten. "Die meisten Menschen idealisieren sich in Partnerschaftsanzeigen. Enttäuschungen auf beiden Seiten sind dann programmiert", so Alterspsychologe Radebold. Deshalb sein Rat: "Schauen Sie mit einem wohlwollenden, aber auch ehrlichen Blick in den Spiegel, beschreiben Sie sich authentisch und formulieren Sie realistische Ansprüche, die Sie an einen möglichen Partner stellen."

Im Laufe ihres Lebens haben die meisten zahlreiche Beziehungserfahrungen gesammelt. "Ältere Menschen haben deshalb oft sehr konkrete Vorstellungen davon, was sie wollen und was nicht", weiß Radebold. "Das macht die Suche einfacher, kann den Blickwinkel aber auch stark einengen", sagt der Psychoanalytiker. Problematisch wird es, wenn man sich nach dem Tod des Partners zu sehr an dem alten Partnerbild orientiert. Am besten die eigenen Suchmuster hinterfragen und sich klar machen, was einem wirklich wichtig ist.

Computer errechnet passende Profile

Findet das Computerprogramm bestimmte Übereinstimmungen und Ergänzungen bei anderen Kandidaten oder Kandidatinnen, erstellt es daraus eine Reihe von Partner-Vorschlägen. Wenn man möchte, kann man per E-Mail ersten Kontakt aufnehmen. Auch wenn die Auswahl im Netz groß ist, etwas Geduld braucht man auch hier. "Am besten, man ist unverkrampft, neugierig und sieht das Ganze als ein unverbindliches Kennenlernen, aus dem vielleicht mehr werden kann", empfiehlt Paarberater Ernst. 

Sicherheitsregeln für die Partnersuche im Internet

Doch auch computergestützt braucht man Glück, um den richtigen Partner zu finden. Der größte Nachteil bei der Onlinesuche: Man hat sein Gegenüber nicht vor sich. Man sieht und spürt nicht auf den ersten Blick, ob Sympathie vorhanden ist. Deshalb rät Ernst dazu, nicht all zu lange mit dem persönlichen Treffen zu warten: "Ideal ist es, wenn man vorab über E-Mails und Telefonate schon möglichst viel über den anderen erfahren hat. Stimmt dann die Wellenlänge, sollte man sich bald treffen, um zu sehen, ob man den anderen sympathisch findet."

Trotzdem lassen sich Enttäuschungen nicht vermeiden. Außerdem tummeln sich auf Partnerschaftsportalen auch Menschen, die nicht ernsthaft auf der Suche nach einer Partner sind. Erkennen lässt sich das nicht sofort. Grundsätzlich sollte man deshalb bei der Suche im Netz wachsam und bei ersten Zweifeln zurückhaltend mit der Weitergabe persönlicher Daten sein.

Das erste Treffen im Café

Ideal ist es, wenn man sich für die Partnersuche eine eigene E-Mailadresse einrichtet, aus der nicht sofort der richtige Name hervorgeht. Bevor man seine Telefonnummern austauscht, sollte man versuchen, durch mehrere E-Mails sein Gegenüber etwas kennenzulernen. Auch aus Sicherheitsgründen ist es wichtig, dass das erste Treffen immer an einem öffentlichen Platz, wie einem Café, und niemals bei sich oder bei dem anderen zu Hause stattfindet. Nach der ersten Verabredung lässt sich etwas besser abschätzen, wie viel Vertrauen man dem anderen schenken möchte.

Mit Generalverdacht sollte man trotzdem nicht an die Partnersuche im Netz herangehen, besser mit einer gesunden Portion Neugier und Optimismus. Schließlich lernt man so unterschiedliche Menschen kennen, die sich ebenfalls eine neue Beziehung vorstellen können.


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