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Corona: Neue Regelung beim Pflegedienst

Wenn der Pflegedienst wegen der Corona-Krise nicht kommen kann, gibt es eine Übergangslösung: Ausnahmsweise lässt sich private Hilfe auch über die Pflegesachleistungen abrechnen. Doch es ist eine Regelung mit vielen Einschränkungen.

von Elsbeth Bräuer, aktualisiert am 05.06.2020
Rollstuhl Pflege zuhause

Kann der Pflegedienst wegen Corona nicht kommen, können ausnahmsweise auch Nachbarn einspringen.


Hat Ihr Pflegedienst den Einsatz abgesagt? Manche ambulanten Dienste tun das gerade – in Corona-Zeiten sind viele überlastet, zum Teil sind Mitarbeiter krank oder in Quarantäne.

Für diese Fälle gibt es jetzt eine neue Regelung – zumindest übergangsweise. Wenn der Pflegedienst nicht kommen kann, kann man ausnahmsweise private Hilfe organisieren und über die Sachleistungen abrechnen. So kann ein einspringender Nachbar etwa Geld bekommen, das sonst für den Pflegedienst gedacht ist. Das soll bei Engpässen in der Versorgung daheim helfen.

Beispiel:

Eine Dame hat Pflegegrad 2. Sie wird durch einen ambulanten Pflegedienst und ihre Tochter versorgt. Das heißt: Sie bekommt Pflegesachleistung (40 Prozent) und Pflegegeld (60 Prozent). Der Pflegedienst fällt aus, weil die Mitarbeiter krank oder in Quarantäne sind. Die Tochter kann wegen ihres Jobs nicht noch mehr Pflege übernehmen. Für den Pflegedienst springt ein Nachbar ein. Er schreibt eine Rechnung. Die Familie reicht sie bei der Pflegekasse ein. Die Kasse kann Kosten bis zu 40 Prozent der Sachleistungen erstatten. In diesem Fall sind das 275 Euro.

Dieses Beispiel nennt der GKV-Spitzenverband.

Bei höheren Pflegegraden steht entsprechend mehr Geld zur Verfügung.

Corona: Neue Regelung für Pflegesachleistung

Die Regelung gilt ab sofort und für alle Bundesländer. Allerdings gilt sie nur dann, wenn der Pflegebedürftige nicht durch einen anderen Pflegedienst oder einen Angehörigen versorgt werden kann. 

Der Spitzenverband rät, sich bei Problemen in der Versorgung immer erst einmal bei der Pflegekasse zu melden. Kann keine Lösung gefunden werden, greift die Regelung. Vom Pflegedienst muss der Nachweis kommen, dass er die Versorgung nicht stemmen kann. Einspringen können nicht nur Privatleute, sondern etwa auch Betreuungsdienste oder Mitarbeiter von Rehaklinken oder Tagespflegen.

Anspruch haben Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5, wenn zu ihnen vorher ein Pflegedienst gekommen ist (Pflegesachleistung) oder sie die Kombinationsleistung hatten (Pflegegeld + Pflegedienst).

Sie müssen einen Antrag bei der Pflegekasse stellen, um die Kosten erstattet zu bekommen. Von der DAK heißt es, es werde bald einen speziellen Antrag geben – bis dahin sei es auch formlos möglich. Man versuche das Verfahren so unbürokratisch wie möglich zu halten.

Die neue Regelung nennt sich: "Unterstützung für Pflegebedürftige während der Corona-Pandemie" (auf Basis von § 150 Abs. 5 COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz).

All das bezieht sich nur auf die Pflegesachleistung. Mit Tagespflege, Entlastungsbetrag, Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege hat dies nichts zu tun.

 

Aber: Es gibt viele Einschränkungen

  • Die Pflegekasse KANN dieses Geld erstatten – sie muss es aber nicht. Die Rede ist von einer "Einzelfallentscheidung".
  • Die Regelung kommt nur in Frage, wenn keine Angehörigen oder andere Pflegedienste einspringen können.
  • Den Vorrang sollen "qualifizierte Leistungserbringer" haben – also soll eher ein zweiter Pflegedienst einspringen als der Nachbar.
  • Wie viel der Nachbar für seine Hilfe bekommt, bestimmt die Pflegekasse. Je qualifizierter jemand ist, desto mehr Geld soll er bekommen, heißt es.
  • Die Kostenzusage ist auf bis zu drei Monate, längstens bis 30.09.2020, befristet.

Corona-Regelung: Wann gibt es keine Erstattung?

  • Wenn Angehörige oder andere Pflegedienste einspringen und sich um die pflegebedürftige Person kümmern können
  • Wenn die Familie dem Pflegedienst selbst abgesagt hat (aus Angst vor einer Infektion)
  • Wenn vorher keine Pflegesachleistungen bezogen wurden (also schon vor Corona kein Pflegedienst kam)

Die Kassen selbst scheinen noch wenig Erfahrungen mit der neuen Regelung gemacht zu haben. Die DAK schreibt, man habe zwar erste Anfragen bekommen, aber noch keine Anträge. Von der AOK heißt es, man habe "keine Erfahrungswerte" und verweist auf den GKV-Spitzenverband, der wiederum auf die Pflegekassen verweist, etwa bei Fragen zur Vergütung und Beantragung.

Haben Sie diesbezüglich schon Erfahrungen sammeln können? Schreiben Sie uns! Wir freuen uns über Ihre Nachricht an info@an-deiner-seite.de.

 


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