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Das hat mir geholfen: Pflegende Angehörige erzählen

Ein Anruf im richtigen Moment, eine spontane Einladung oder die Bereitschaft zuzuhören, wenn gerade alles weh tut: Sieben Menschen erzählen von Unterstützung, über die sie sich gefreut haben.

von Elsbeth Bräuer, aktualisiert am 15.05.2020

"Mein Mann war gerade ein paar Monate aus dem Krankenhaus in die häusliche Pflege entlassen worden. Keine Kontakte und 24/7 Pflege und Kind. Da klingelte es eines Abends an der Tür, und der Sohn meiner Nachbarin, die ich nur vom Hausflur kannte, stand davor. "Hast du nicht Lust rüber zu kommen, meine Mutter feiert Geburtstag und die ganze Familie ist da." Einfach so! Daraus ist eine tiefe Freundschaft mit der ganzen Familie entstanden, die bis heute anhält. Und es war mein erster neuer Kontakt nach außen als pflegende Angehörige, und das erste Mal, dass ich mich traute, meinen Mann mal kurz alleine zu lassen. Ich bin heute noch unglaublich dankbar! "

Simela Aslanidou, pflegt ihren Mann

"Als Mutter eines Sohnes, der mit einer schweren Mehrfachbehinderung geboren wurde, begegnet es mir häufiger, dass man mich anfangs "nur" als die Mutter eines Sohnes mit Behinderung sieht. Dabei bin ich doch so viel mehr. Ich bin Frau und Freundin. Ich bin berufstätig. Engagiere mich ehrenamtlich. Ich bin belesen, kulturell und an Reisen interessiert und so vieles mehr. Nur weil unser Leben ist, wie es ist, bedeutet es nicht, dass ich "nur" die Mutter eines Sohnes mit Behinderung bin und mein restliches Sein nicht mehr existent ist. Die Freunde in unserem Leben, die das verstanden haben und uns als die Menschen betrachten, die wir sind: Sind wahre Lebensfreunde!"

Nicole Kultau, pflegt ihren Sohn

"Mich freut es, wenn Menschen einfühlsam sind: "Trifft es euch, wenn ich von meinen Enkeln erzähle?", denn wir werden nie Großeltern sein. Oder wenn jemand nachfragt: "Wie geht es euch in der Coronakrise mit Euren beiden schwerbehinderten Töchtern?" Ich verstehe nicht, wenn Menschen ihre glückliche und gesunde Lebenssituation nicht wertschätzen können und sich bei mir über Kleinigkeiten beschweren, die in ihrem Leben scheinbar schief laufen."

Claudine Hallwachs hat eine Tochter mit geistiger Behinderung, die in einer anthroposophischen Dorfgemeinschaft lebt. Ihre zweite Tochter sitzt hochgelähmt im Rollstuhl und wird beatmet.

Sie wollen pflegenden Angehörigen helfen?

Fragen Sie sich, wie Sie Ihre Unterstützung so wertschätzend wie möglich anbieten können. Also nicht: "Du bist ja total überfordert und du musst dir jetzt helfen lassen."

Stattdessen: "Ich kann mir vorstellen, dass es manchmal ganz schön anstrengend für dich ist, sich um deinen Angehörigen zu kümmern. Gibt es etwas, mit dem ich dich unterstützen könnte? Einkaufen, besuchen, Rasen mähen, spazieren gehen, etwas kochen?"

Wichtig: Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn Ihr Angebot beim ersten Mal nicht angenommen wird. Sie haben dem anderen trotzdem ein gutes Gefühl vermittelt und signalisiert: "Ich sehe dich und du bist nicht allein."

Petra Schlitt-Wieschalla, Angehörigencoach und Demenzberaterin

"Während der jahrelangen Pflegezeit gab es Momente, in denen ich wichtige Termine wahrnehmen musste. Meistens war dann die Betreuung meiner Frau, die im Wachkoma lag, gesichert. Doch ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich niemanden dafür fand. Zufällig telefonierte ich mit meiner Nichte. Die sagte kurzerhand zu, mir zu helfen. Dazu muss man wissen, dass sie ca. zwei Stunden Fahrt auf sich nehmen musste, um zu uns kommen zu können. Das war für sie nebensächlich. Sie wollte nur helfen."

Jürgen Chmielek, pflegte lange seine Frau im Wachkoma

"Oft reicht es schon, wenn man einmal seine Sorgen, seinen Kummer und auch seine Wut loswerden kann. Mich hat auch das Angebot von Freunden und Nachbarn gefreut, für uns einkaufen zu gehen, wenn es die Pflegesituation nicht zugelassen hat. Aber auch mal kurzfristig aufzupassen, um eine kurze Auszeit zu haben. Es gab hier immer Unterstützung und das ist auch nach dem Tod meines Mannes so geblieben."

Brigitte Brzeski, pflegte lange ihren demenzkranken Mann

Pflegenden Angehörigen hilft es oft, sich nicht rechtfertigen zu müssen, wenn sie etwas nicht tun WOLLEN. Die Akzeptanz, von außen zu erleben, dass ich kein schlechter Mensch bin, weil ich mich nicht kümmern will. Denn wenn ich keine Windeln wechseln will und nicht 24 Std. abrufbereit sein möchte, heißt das NICHT, dass ich nicht will, dass es meiner Mutter/meinem Vater gut geht und dass ich nicht bereit bin, etwas dafür zu tun.

Katja Keil, Mediatorin

"Corona schenkt vielen von uns unerwartet Zeit. Bitte nutzt sie gut. Wir alle pflegen irgendwann. Jetzt ist Zeit in die Zukunft zu schauen, was dann plötzlich anders sein wird, gesundheitlich, beruflich, finanziell, zeitlich, emotional. Ich wünsche mir, dass auch banale Bitten von Pflegenden in allen Lebensbereichen nicht abgewertet werden. Das hat oft nichts mit Dummheit oder Faulheit der Pflegenden zu tun, sondern mit guter Organisation, denn mit einer banalen Bitte im Alltag kann man viel mehr Zeit und Aufmerksamkeit in lebenswichtige Maßnahmen investieren."

Lana Rebhan, pflegt ihren Vater

"Ich arbeite viel im Garten, grabe um, lege neue Beete an, setze Pflänzchen… Das erdet mich und ist in belastenden Zeiten das Beste für mich. Und plötzlich kommt eine Nachbarin an die Gartentür und schenkt mir Ableger von ihrem wunderschönen Steinsam (sehr schöne blaue Blüten) und von der Erdbeer-Minze, die ganz wunderbar duftet. Habe beides eingepflanzt, und sie sind angegangen. Die Nachbarin hatte wohl nicht die Absicht, mir als pflegende Angehörige etwas Gutes zu tun, ihre Motivation war eher eine gärtnerinnenmäßige, aber egal. Das hat mir gutgetan!"

Birgit Ruf, kümmert sich um ihre Mutter


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