So überwinden Sie Alltagsängste

Ist der Herd wirklich aus? Alltagsängste sind oft irrational. Wie Sie mit Ruhe und Vernunft dagegen angehen, erklärt Angstexperte Borwin Bandelow
von Annette Bieber, 30.01.2017

Herd angelassen? Manche Menschen quält diese Frage bei jedem Rausgehen

istock/gilas

Herd aus? Tür zu? Warum fragen wir uns so oft, ob wir unser Zuhause sicher zurückgelassen haben?

Vieles macht man automatisch: Wir knipsen das Licht aus, schließen die Fenster, schalten die Kaffeemaschine aus – ohne darüber nachzudenken. Das ist alltägliche Routine und gräbt sich nicht in unser Gedächtnis ein. Gerade deshalb können wir uns schon kurze Zeit später nicht mehr so genau erinnern und kommen ins Grübeln. 

Manche Leute kontrollieren dreimal die Herdplatte, bevor sie außer Haus gehen. Ist das normal?

Jeder Mensch hat die Tendenz, etwas nachzuprüfen. Das ist völlig in Ordnung. Dann gibt es die Gruppe der Bedenkenträger. Sie laufen lieber noch einmal zurück, um ganz sicherzugehen, dass etwa die Haustür wirklich abgeschlossen ist. Das passt auch, wenn man einmal unsicher ist. Angst hat ja auch eine Art Schutzfunktion.

Professor Borwin Bandelow, Angstexperte an der Universität Göttingen

W&B/Stefan Thomas Kröger

Wann wird es kritisch?

Wenn jedes Rausgehen zur Herausforderung wird, weil man immer wieder nachschaut und gar nicht mehr loskommt. Oder wenn man den ganzen Tag an nichts anderes mehr denkt. Das kommt bei Zwangserkrankungen vor. Die Betroffenen wissen oft selbst, dass ihr Verhalten eigentlich unsinnig ist, können aber nichts dagegen tun. In solchen Fällen sollte man schon überlegen, ob nicht professionelle Hilfe nötig ist.

Woher kommen diese Ängste?

Manchmal spielt die schlechte Erfahrung eine Rolle. Oft sind die Ängste aber eher irrational: Was kann schon passieren, wenn die Kaffeemaschine nicht aus ist? Sie hat sicher einen Überhitzungsschutz. Von Natur aus ängstlichere Menschen jedoch malen sich ein Katastrophenszenario aus, obwohl sie noch nie etwas vergessen haben oder noch nie etwas passiert ist. Frauen sind im Übrigen generell ängstlicher als Männer.

Ist das auch eine Frage des Alters?

Im höheren Lebensalter steigt die Angst vor realen Gefahren, etwa vor dem Verlust des Partners. Irrationale Ängste wie zum Beispiel die Frage nach dem zugedrehten Wasserhahn werden weniger. Wenn allerdings das Gedächtnis nachlässt und selbstverständliche Handlungen vergessen werden, kann sich das drehen. Betroffene werden ängstlicher, weil sie um ihre Vergesslichkeit wissen.

Ich bin weit weg von zu Hause  und frage mich ständig, ob die Terrassentür zu ist. Was tun?

Oft hilft es, dem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen: Versuchen Sie, die Situation gedanklich zu rekonstruieren und wie im Film noch einmal abzuspulen. Dann erinnern Sie sich auch eher an Details – beispielsweise daran, wie Sie sich beim Rausgehen vergewissert haben, dass Fenster und Türen verschlossen sind.

Ihr persönlicher Tipp?

Auch mir hilft es, die Sache logisch anzugehen. Beispiel Kaffeemaschine: Was kann aus physikalischer Sicht schlimmstenfalls passieren, wenn sie tatsächlich noch an sein sollte? Vielleicht brauche ich dann ein neues Ersatzteil. Aber das ist für mich kein Grund zur Panik. Nachlässig darf man natürlich nicht werden – mit einer vergessenen brennenden Kerze etwa ist nicht zu spaßen. Praktisch ist es auch, einen Zweitschlüssel beim Nachbarn zu deponieren. Dieser kann dann im Notfall mal nachschauen.


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