Vorsorge: Den eigenen Abschied gestalten

Niemand beschäftigt sich gerne mit seinem Lebensende. Dennoch ist es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen – und diese mit der Familie zu besprechen
von Silke Becker, 08.09.2017

Wer sich mit Krankheit und Tod frühzeitig beschäftigt, entlastet seine Angehörigen

Getty Images/Photodisc

Wir alle wissen es, doch niemand will es wissen: Das Leben ist endlich. "Sich Gedanken über den eigenen Tod zu machen oder gar mit der Familie darüber zu sprechen, macht vielen Angst", so die Erfahrung von Trauer­­begleiterin Ute Arndt aus Bark bei Hamburg.

Entlastung für die Verwandten

Ist nichts geklärt, müssen letztlich die Angehörigen die nötigen Entscheidungen treffen, wenn das Ende eines geliebten Menschen naht. Immer wieder erlebt die Trauerbegleiterin Hinterbliebene, die noch jahrelang hadern, ob sie auch wirklich alles richtig gemacht haben. "Zu wissen, was der Sterbende will, ist eine große Erleichterung in dieser belastenden Situation."

Je mehr Dinge jemand vorab selbst bestimmt hat, desto leichter fällt den Hinterbliebenen auch der unvermeidliche Abschied. "Das Wissen, einem geliebten Menschen seine letzten Wünsche erfüllt zu haben, schenkt den Angehörigen inneren Frieden", so Arndt.

1. Wie kann ich wichtige Menschen informieren?

Ideal ist es, die eigenen Wünsche mit der Familie zu besprechen. Nur Mut, das ist gar nicht so schlimm wie befürchtet! Erfahrungsgemäß sind vor allem die Kinder meist dankbar für jedes klärende Wort. Damit die Angehörigen die letzten Wünsche auch wirklich erfüllen können, brauchen sie außerdem etwas Schriftliches. Die notwendigen Dokumente packt man am besten in einen speziellen Notfallordner. Entweder man informiert eine Vertrauensperson, wo die Dokumente zu finden sind, oder man platziert den Ordner gut sichtbar und eindeutig beschriftet so in der Wohnung, dass er im Ernstfall sofort gefunden wird.

2. Wer soll entscheiden, wenn ich nicht mehr kann?

Solange ein Mensch völlig klar im Kopf ist, entscheidet er selbst. Doch was, wenn man sich nicht mehr äußern kann, etwa nach einem Unfall? "Mit einer Vorsorgevollmacht ermächtige ich eine andere Person, in Notlagen Entscheidungen für mich zu treffen", sagt Notarassessor Dominik Hüren von der Bundesnotarkammer. Diese Vollmacht sollte man nur absolut vertrauenswürdigen Personen geben, denn damit sind weitreichende Entscheidungsbefugnisse verbunden. Wer hier Bedenken hat, wählt besser eine Betreuungsverfügung. "In diesem Fall bestimmt man zwar auch selbst, wer im Notfall entscheiden soll, aber diese Person wird vom Gericht bestellt und kontrolliert", so Hüren. Beide Dokumente kann man jederzeit widerrufen.

3. Wie will ich medizinisch behandelt werden?

Wer heute schon entscheiden möchte, welche lebenserhaltenden Maßnahmen er etwa nach einem Schlaganfall will, braucht eine Patientenverfügung. Das Hauptproblem dabei ist, dass man als medizinischer Laie kaum beurteilen kann, ob eine bestimmte Behandlung noch sinnvoll ist oder nur das Leiden verlängert. "In der Praxis greifen Patientenverfügungen oft nicht, weil die Wünsche nicht eindeutig genug formuliert sind", so Dominik Hüren. Um sicherzugehen, sollte man sich deshalb vorher medizinisch und rechtlich beraten lassen. Zudem sollte man auf Patientenverfügungen sicherheitshalber regelmäßig mit Datum und Unterschrift bestätigen, dass sich die eigenen Wünsche nicht geändert haben.

Man kommt aber auch ohne Patientenverfügung aus. "Eine richtig ausgestaltete Vorsorgevollmacht genügt, damit die Vertrauensperson über die Behandlung entscheiden kann", sagt Dominik Hüren. Damit der Betreffende weiß, was zu tun ist, sollte man vorher schon einmal über das Thema gesprochen haben. Ohne Patientenverfügung müssen schwerwiegende Entscheidungen über Leben und Tod aber zusätzlich vom Betreuungsgericht genehmigt werden.

4. Was soll mit meinem Körper geschehen?

Wenn jemand stirbt, sprechen die behandelnden Ärzte auch bei älteren Patienten mitunter das Thema Organspende an, vorausgesetzt, der Verstorbene war gesund genug. Ohne einen Organspendeausweis müssen die Angehörigen diese schwere Entscheidung allein treffen. Der Ausweis ist also auch dann sinnvoll, wenn man seine Organe auf gar keinen
Fall spenden will. Man bekommt ihn kostenlos von der Krankenkasse oder unter www.organspende-info.de. Wer seine Meinung ändert, zerreißt den Ausweis und füllt einen neuen aus.

5. Wie will ich bestattet werden?

Requiem oder Rockmusik, Gottesdienst oder Gartenparty: Der Abschied wird immer individueller. Am einfachsten ist es, die eigenen Wünsche auf einem Zettel zu notieren und diesen im Notfallordner abzuheften. Auch wenn solche Dokumente rechtlich nicht bindend sind, halten sich die Angehörigen er­fahrungsgemäß fast immer daran. "Bestattungsverfügungen gehören nicht ins Testament, da die Testamentseröffnung in der Regel erst nach der Beerdigung stattfindet", warnt Dominik Hüren.

Wer ganz sicher sein will, dass alles wunschgemäß abläuft, kann die eigene Beerdigung heute schon bei einem Bestattungsinstitut planen und vorab bezahlen. Wichtig ist, dass das Geld auf einem Treuhandkonto hinterlegt wird, damit es bei einer Pleite des Unternehmens abgesichert ist. Viele haben auch keine besonderen Wünsche für ihren Abschied, möchten der Familie aber die hohen Bestattungskosten ersparen. Das geht am einfachsten, indem man die notwendige Summe nach und nach auf einem Tagesgeldkonto anspart. Von sogenannten Sterbegeldversicherungen raten Verbraucherschützer dagegen schon seit Jahren ab. Hier zahlt man in der Regel mehr ein, als die Hinterbliebenen hinterher ausgezahlt bekommen.

6. Was soll mit meinen Dingen passieren?

"Ist nichts geregelt, gilt die gesetz­liche Erbfolge", erklärt Notarassessor Dominik Hüren. Wer seine Lieben individuell bedenken will, braucht also ein Testament. Das ist etwa der Fall, wenn der Ehepartner alles bekommen oder ein Kind als Dank für jahrelange Pflege bevorzugt werden soll. Ein eigenhändiges Testament muss handschriftlich verfasst und unterschrieben sein sowie Ort und Datum enthalten. "Computerausdrucke oder fertige Formulare gelten nicht", betont Hüren. Wer seine Meinung ändert, sollte das alte Testament besser zerreißen und ein neues schreiben. Wenn es um Kleinigkeiten geht wie die durch den Krieg gerettete Kristallvase oder das Lieblingsbild, empfiehlt sich ein Vermächtnis. Darin legt man fest, wer einzelne Dinge erhalten soll. Die Begünstigten haben so einen Rechtsanspruch auf den vermachten Gegenstand.

Mehr Info

Vorsorge-Sets mit Informationen und Vordrucken zu sämtlichen Vollmachten gibt es im Buchhandel oder im Internet, beispielsweise auf der Seite des Bundesjustizministeriums www.bmjv.de unter dem Menüpunkt "Themen/Vorsorge und Patientenrechte". Vorsicht! Bei allen Dokumenten kann man sehr leicht Fehler machen.

Wer alles wirklich wasserdicht haben will, ist beim Notar besser aufgehoben. Hier kosten sämtliche nötigen Dokumente (Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung, Testament) inklusive Beratung bei einem Vermögen von 50.000 Euro weniger als 300 Euro.


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