Sodbrennen: Ganz schön sauer

Das fiese Brennen hinter dem Brustbein kennen viele. Tabletten helfen dagegen. Entscheidend ist aber auch, das eigene Verhalten zu ändern.

von Elke Schurr, 27.11.2018
Frau trinkt Tasse Kaffee

Es war die Mousse au chocolat am Ende des mehrgängigen Menüs. Kurz danach meldete sich dieser scheußliche Druck hinter dem Brustbein. Unangenehm auch das saure Aufstoßen. Der Schnaps obendrauf machte alles nur noch schlimmer. Wer nach so einem Gelage gleich ins Bett geht, um sich und seinem Magen endlich Ruhe zu gönnen, hat so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, wenn man zu Sodbrennen neigt.

Reflux – so der medizinische Ausdruck für den Rückfluss von Mageninhalt – kennt jeder Fünfte in Deutschland, besonders derjenige, der  gelegentlich bei den Essensmengen übertreibt oder kurz vor dem Schlafengehen noch Schokolade knab­bert. Sodbrennen ist das typische Zeichen des Reflux. Bei etwa jedem Zehnten allerdings treten die Reflux-Beschwerden regelmäßig auf. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lässt sich das Problem mit einem wirkungsvollen Medikament und veränderten Ess- und Schlafgewohnheiten in den Griff bekommen.

Wie sich Reflux  äußern kann:
• Druck hinter dem Brustbein
• Brennen
• saures Aufstoßen
• Husten
• ständiges Räuspern

Rückfluss durch die offene Tür

Warum es überhaupt zu den schmerzhaften Problemen in der unteren Speiseröhrengegend kommt, liegt an schlaffem Gewebe. Dort, wo die Speiseröhre vom Brustraum in die Bauchhöhle abtaucht und direkt in den Mageneingang mündet, hält beim Gesunden festes Muskel- und Sehnengewebe den Mageninhalt davon ab, in die falsche Richtung zu laufen. Normalerweise bildet der Schließmuskel der Speiseröhre zusammen mit einem engen Zwerchfellring eine undurchdringliche Barriere gegen das Aufsteigen des ätzenden Speisebreis.

Mit zunehmendem Alter gibt das Gewebe jedoch oft nach: Der Ring leiert aus, der Muskel schließt nicht mehr. In der Folge kann ein Teil des Magens durch die Lücke nach oben rutschen: ein offen stehendes Ausgangstor. Zu viel Bauchfett und das Tragen schwerer Lasten verschärfen das Problem, "denn mechanischer Druck von außen kann ebenfalls den Verschlussmechanismus schwächen", betont Professor Wolfgang Schepp, Gastroenterologe vom Münchener Klinikum Bogenhausen. Das erklärt, wa­­rum auch Schwangere, Möbelpacker oder Bodybuilder, die sich Sixpacks antrainieren, häufig unter Refluxproblemen leiden, selbst wenn sie jung sind und ihr Gewebe noch keine Alterungsprozesse durchlaufen hat.

Was da aus dem Magen aufsteigt und manchmal sogar Hustenreiz und Räuspern verursacht, ist ziemlich sauer: ein Gemisch aus reinem Magensaft, Schleim und anderen nicht ganz so sauren Sekreten. Trifft dieser Brei auf die Schleimhaut der Speise­röhre, ist das nicht nur schmerzhaft, sondern kann auf Dauer auch Spuren hinterlassen. Speise­röhrenzellen sind für eine solch saure Brühe nicht mit dem passenden Schutzschild ausgestattet wie etwa die Wand des Magens.

Bei anhaltenden Beschwerden empfiehlt sich deshalb ein Besuch beim Hausarzt. Wer regelmäßig von drückenden und brennenden Schmerzen geplagt wird, nach jeder Mahlzeit aufstoßen muss und nachts kaum noch schlafen kann, leidet womöglich an der chronischen Refluxkrankheit, die oft mit einer Entzündung einhergeht. Bei einer Magenspiegelung kann der Gastroenterologe festellen, ob eine Refluxkrankheit besteht und wie ausgeprägt sie ist. Der ärztliche Blick mit dem Endoskop ins Innere der Speiseröhre enthüllt bei jedem zweiten bis dritten refluxkranken Patienten auch sichtbare Entzündungszeichen am unteren Speiseröhren-Ende.

Wenn die Zellen sich verändern

Noch aus einem anderen Grund sollte der Magenarzt bei jedem Betroffenen zumindest einmal eine Magenspiegelung mit dem Video-Endoskop machen: Manchmal legt sich die Speiseröhre "eine Art Billigkopie der Darmschleimhaut zu", wie Schepp es umschreibt. Um besser gewappnet zu sein gegen die sauren Überfälle, bauen sich die Zellen um. In sehr seltenen Fällen entarten sie zu Krebszellen. Barrett-Syndrom nennen Ärzte jene Krankheit, die sich durch verwandelte Zellen der Speiseröhrenschleimhaut auszeichnet.

Der Gastro­enterologe misst die Länge des betroffenen Speiseröhren-Abschnitts und entnimmt davon Gewebeproben für eine mikroskopische Untersuchung. Alle Messergebnisse können dann Aufschluss über ein mögliches Karzinom-Risiko geben. Zur Sicherheit werden Barrett-Patienten daher mindestens alle vier Jahre kontrolliert. "Die meisten Reflux-Patienten zeigen an der Schleimhaut allerdings keine Veränderungen", beruhigt Dr. Christian Bojarski, Magen-Darm-Experte der Charité Berlin. Ob nun aber mit oder ohne Entzündungs­zeichen: Schmerzen können alle Formen der Refluxkrankheit verursachen. Und sie sollten auch behandelt werden.

Die Pille gegen die Säure

Säurehemmer wie Omeprazol sind bei schmerzhafter Refluxkrankheit "das Mittel der Wahl", sagt der Berliner Gastroenterologe. Diese Wirkstoffe ändern den pH-Wert des Magen­inhalts, indem sie den Magen veranlassen, keine Säure mehr zu produzieren. Den Rückfluss verhindern sie nicht. Manche Patienten sollten das Medikament dauerhaft nehmen, andere können es nach Absprache mit ihrem Arzt nach einer bestimmten Zeit wieder absetzen, so Experte Schepp, "und zwar stufenweise über vier bis acht Wochen". Doch stellt der Magen seine Säureproduktion durch die lange Einnahme der Tabletten nicht für immer ein? "Diese Sorge", versichert der Münchener Magenexperte, "ist unbegründet."

Nur in schweren Fällen, wenn Säurehemmer nichts mehr ausrichten, denken die Ärzte über chirurgische Maßnahmen nach. Sie nähen etwa Magnetbänder und Gewebemäntel an, um die ausgeleierte Zone am Mageneingang zu kräftigen und zu verengen. "Manche Kliniken implantieren sogar einen Schrittmacher", so Bojarski, "um den lahmen Schließmuskel zu unterstützen." Entscheidend bleibt, selbst möglichst viel zu tun, um den Rückfluss im Zaum zu halten und die Säureproduktion nicht noch mehr anzukurbeln. Da sind sich die beiden Gastroenterologen einig. "Das kann", macht Schepp dem einen oder anderen Patienten Mut, "die Medikamente im Einzelfall komplett ersetzen!"

Reflux: Das können Sie tun

  • Essen Sie lieber öfter kleinere Mengen, und nehmen Sie sich Zeit dafür. Große Mahlzeiten und hektisches Essen belasten eher.
  • Beobachten Sie sich: Vertragen Sie Haferflocken-Müsli besser als Croissants? Fett, Zucker, ­Zitrusfrüchte, Kaffee, Alkohol und Nikotin zum Beispiel können das Sodbrennen verstärken.
  • Nehmen Sie ab, wenn Sie übergewichtig sind. Das Körperfett drückt auf den Magen und schwächt das Gewebe.
  • Tauschen Sie einengende Kleidung gegen lockere aus.
  • Zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr essen.
  • Erhöhen Sie den oberen Teil Ihres Bettes (den gesamten Oberkörper ab der Taille) um 10 Grad mit einem flexiblen Lattenrost, einem Bettkeil oder mit Klötzchen unter dem Gestell.
  • Bestimmte Arzneimittel sind für ihr Refluxrisiko bekannt.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Alternativen.

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