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Testament: So verfassen Sie es richtig

Wie setze ich ein Testament auf? Brauche ich einen Notar? Wo bewahre ich das Dokument auf? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um den letzten Willen.

von Elsbeth Bräuer, aktualisiert am 17.04.2020
Testament verfassen

Ein selbst verfasstes Testament muss handschriftlich sein


1. Muss ich überhaupt ein Testament verfassen?

Prinzipiell kann jeder selbst entscheiden, ob er ein Testament verfassen will oder nicht. In Deutschland gibt es eine gesetzliche Erbfolge. Das heißt, dass das Erbe nach Ihrem Tod nach einem festen Schema unter den Hinterbliebenen aufgeteilt wird, wenn Sie kein Testament haben. Ein Testament brauchen Sie dann, wenn Sie von diesem Schema abweichen wollen – wenn also die Lieblingsnichte mehr bekommen soll als der Sohn, der sich nie gekümmert hat. Oder, wenn Sie einen Teil Ihres Vermögens einer Stiftung hinterlassen möchten. Gerade bei großen Vermögen, komplizierten Verhältnissen und Streit in der Familie ist ein letzter Wille sinnvoll. Auch Hausbesitzer sollten ein Testament anfertigen, rät Jan Bittler, Fachanwalt für Erbrecht. Sie können zum Beispiel einem Kind das Haus vererben und dem anderen Vermögen im gleichen Wert.

Testierfähig sein – das heißt, dass jemand rechtlich in der Lage ist, sein Testament zu machen. Schon mit 16 Jahren darf man es beim Notar erstellen lassen, ab 18 Jahren eigenhändig verfassen. Bei fortgeschrittener Demenz oder anderen Einschränkungen kann man seine Testierfähigkeit verlieren. "Bei einer beginnenden Demenz muss das aber noch nicht der Fall sein", sagt Bittler. Am besten lassen sich Demenzpatienten vom Neurologen bestätigen, dass sie diese Entscheidung treffen können. Es gilt: Im Zweifel für den Verfasser. Wer ein Testament anfechten möchte, muss nachweisen, dass Sie nicht testierfähig waren. Das ist im Nachhinein schwer zu beweisen und kann zu Rechtsstreitigkeiten führen.

2. Wann sollte ich mein Testament verfassen?

Das Leben ist endlich, damit beschäftigt sich niemand gern. Wer seine letzten Dinge regelt, hat oft das leise Gefühl, abzuschließen. Am besten ist es trotzdem, sich frühzeitig um den letzten Willen zu kümmern. Geben Sie sich einen Ruck! Ein Unfall oder eine Krankheit können plötzlich dafür sorgen, dass es Ihnen schlecht geht. Solange Sie gesund sind, können Sie für klare Verhältnisse sorgen und Streit unter Ihren Verwandten vermeiden. Außerdem können Sie Ihr Testament später immer noch ändern. Wichtig ist, dass Sie mit Ihren Erben sprechen. Vielleicht will die Tochter ja gar nicht in die Wohnung einziehen, die Sie ihr gern vermachen würden?

3. Welche Möglichkeiten gibt es, ein Testament zu verfassen?

  • Handschriftlich selbst verfassen
  • Zum Notar oder zum Anwalt gehen

Ein Sonderfall ist ein Berliner Testament, bei dem zwei Partner ihren letzten Willen in einem gemeinsamen Dokument festhalten.

4. Wie sieht ein handschriftliches Testament aus?

  • Es muss komplett mit der Hand geschrieben sein. Verfassen Sie es nicht am Computer oder mit der Schreibmaschine! Im Zweifel kann ein Gutachter an der Handschrift erkennen, ob das Testament gefälscht ist.
  • Ort und Datum, Überschrift wie "Testament" oder "letzter Wille"
  • Der Verfasser muss unterschreiben.

Sie können, etwa nach einem Schlaganfall, nicht mehr schreiben? In diesem Fall kann ein Notar in Ihrem Beisein ein komplettes Testament für Sie aufsetzen und Sie unterschreiben nur noch. Das geht aber nur beim Notar – es ist nicht zulässig, dass Familienmitglieder für Sie das Testament schreiben!

Ansonsten können Sie das Dokument frei verfassen. Formulieren Sie möglichst klar und gut verständlich. Ordnen Sie nicht einfach Gegenstände einer Person zu. "Es schafft Chaos, wenn Sie das Vermögen munter verteilen und schreiben: Der Neffe bekommt das Bankkonto, die Tochter das Haus", sagt Bittler. Die Behörden wissen dann später nicht, wer im rechtlichen Sinne der Erbe ist. Also der, der die Rechte und Pflichten am Eigentum nach dem Tod übernimmt.

Sie müssen im Testament also erst den Erben benennen. Erst dann können Sie jemandem ein bestimmtes Objekt hinterlassen. Sie können zum Beispiel schreiben: "Per Vermächtnis erhält meine Tochter die Briefmarkensammlung." Wenn Sie den Begriff "Vermächtnis" verwenden, gehört die Sammlung nicht mehr zur Erbmasse. Ist sie aber sehr wertvoll, haben manche Erben vielleicht einen Pflichtteilsanspruch. Dann muss die Tochter die anderen anteilig mit ausbezahlen.

Wer sich unsicher ist, kann sich von einem Fachanwalt für Erbrecht beim Schreiben helfen lassen.

Übrigens: Bestattungswünsche haben im Testament nichts verloren! Das Testament wird nämlich sechs Wochen nach dem Tod eröffnet – da hat die Beerdigung schon längst stattgefunden.

5. Welche Vorteile hat es, sein Testament beim Notar oder Anwalt machen zu lassen?

Notar oder Anwalt garantieren, dass das Testament rechtlich einwandfrei ist. Ein Vorteil ist auch: Wenn Sie ein Testament beim Notar gemacht haben, müssen sich Hinterbliebene in vielen Fällen nicht erst einen Erbschein ausstellen lassen, um als Erben anerkannt zu werden (beim Anwalt schon). Auch der Erbschein kostet etwas.

Der Nachteil: Besuche beim Notar oder Anwalt gehen ins Geld. Wer das Testament ändern will, muss meist erneut zahlen.

Sie haben ein Unternehmen? Gehen Sie zum Notar oder Anwalt. Allgemein ist es besser, wenn eine Person das Unternehmen erbt und die anderen abgefunden werden – mehrere Erben in der Unternehmensführung sind immer schwierig.

6. Welche Kosten kommen beim Notar oder Anwalt auf mich zu?

Der Notar kann das Testament mit Ihnen gemeinsam erstellen. Wie viel das kostet, hängt von Ihrem Vermögen ab. Wenn Sie später etwas ändern möchten, müssen Sie die Gebühren erneut bezahlen. In beiden Fällen hinterlegt der Notar das Testament dann beim Amtsgericht. Das kostet noch mal 93 Euro. Zuständig ist ein Amtsgericht in Ihrer Nähe, das Sie hier finden.

Beim Anwalt sind die Kosten unterschiedlich. Die Gebühren erfahren Sie im Beratungsgespräch. Das fertige Testament muss man selbst noch mal beim Amtsgericht hinterlegen (oder absprechen, dass sich der Anwalt kümmert).

7. Kann ich mein Testament später ändern?

Ja, Änderungen sind möglich! Sie müssen natürlich weiterhin testierfähig sein. Und es ist wichtig, dass Sie kein Berliner Testament haben, bei dem Ehepartner gemeinsam entscheiden.

Wer Änderungen hat, sollte sie nicht einfach im alten Dokument nachtragen. "Besser das alte vernichten und komplett neu schreiben", rät Rechtsanwalt Bittler. Liegt das Dokument beim Amtsgericht, müssen Sie dort Bescheid geben und es mit den Änderungen neu hinterlegen.

8. Kann ich in meinem Testament verfügen, was ich will?

Wen Sie als Erben einsetzen, bleibt Ihnen überlassen. Aber es gibt Einschränkungen: Die nächsten Angehörigen haben das Recht auf einen Pflichtteil, Sie können diese also nicht komplett übergehen. Das sind Ihr Ehepartner, Ihre Kinder und Enkel oder Ihre Eltern (wenn Sie kinderlos sind). Geschwister oder Onkel und Tante haben dagegen kein Anrecht auf den Pflichtteil. Der Pflichtteil ist in der Regel die Hälfte der Summe, die ihm nach der gesetzlichen Erbfolge zustehen würde. Diesen Pflichtteil bekommt man nicht automatisch, sondern erst, wenn man ihn von den Erben einfordert.

Außerdem können Sie das Erbe nicht an "sittenwidrige Bedingungen" knüpfen – an Bedingungen, die in die persönliche Freiheit Ihres Erben eingreifen. Sie dürfen Ihr Geld also nicht dem Sohn unter der Bedingung hinterlassen, dass er nie einen Mann heiratet. Oder den Enkeln unter der Voraussetzung, dass sie Sie regelmäßig besuchen.

9. Kann ich vor meinem Tod alles verschenken?

Es hat durchaus Vorteile, noch zu Lebzeiten Teile seines Vermögens zu verschenken. Das ist steuerschonend für die Erben. Außerdem bekommen ungeliebte Erben so weniger. Allerdings ist es wichtig, dass zwischen der Schenkung und Ihrem Tod mindestens 10 Jahre liegen. Wenn Sie Ihrer Lieblingsnichte fünf Jahre vor Ihrem Tod den Familienschmuck geben, kann Ihr ungeliebter Sohn daran später seinen anteiligen Pflichtteil fordern.

10. Wo bewahre ich mein Testament auf?

Bitte nicht zuhause in der Schreibtischschublade! "So überlassen Sie dem Zufall, wer es als erstes findet", sagt Bittler. Wenn das Testament für den Finder ungünstig ist, lässt er es vielleicht verschwinden. Deshalb sollten Sie es beim Nachlassgericht hinterlegen, das kostet 93 Euro. (Zuständig ist ein Amtsgericht in Ihrer Nähe, das Sie hier finden.) Sie können es auch der Person geben, die davon am meisten profitiert. So stellen Sie sicher, dass Ihr letzter Wille nicht unterschlagen wird.

11. Was ist ein Berliner Testament?

Das Berliner Testament ist ein gemeinsames Testament von zwei Ehepartnern. Sie setzen sich damit gegenseitig als Erben ein, wenn einer von beiden stirbt. Erst wenn beide sterben, erben die Kinder das Vermögen (sie können sich aber schon vorher den Pflichtteil auszahlen lassen).

Ein gemeinsames Testament schafft Sicherheit. Es ist immer dann günstig, wenn Sie in erster Linie Ihren Ehepartner absichern wollen. Auch, wenn Sie minderjährige Kinder haben, ist ein Berliner Testament von Vorteil.

Allerdings lässt es sich nur ändern, wenn beide Beteiligten einverstanden sind. Auch, wenn einer der beiden verstirbt, ist der Hinterbliebene an das Testament gebunden. Ausnahme: Es enthält eine Freistellungsklausel.

Außerdem ist ein Berliner Testament oft steuerrechtlich nicht günstig. Denn für das Vermögen wird gleich zwei Mal Erbschaftssteuer fällig. Wenn der erste Elternteil stirbt, können die Kinder den steuerlichen Freibetrag nicht nutzen. Mit vorzeitigen Schenkungen kann man Erbschaftssteuer sparen. Das geht aber nur, wenn die Schenkung mindestens 10 Jahre vor dem Tod erfolgt ist. Es gibt auch die Möglichkeit, über ein Vermächtnis einen Freibetrag auszunutzen.

Fachliche Beratung: Jan Bittler, Fachanwalt für Erbrecht



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