Elektrorad-Kauf: Worauf Sie achten sollten

Elektrorad ist nicht gleich E-Bike ist nicht gleich Pedelec. Welche Unterschiede es gibt und für wen sich die Anschaffung lohnt
von Dagmar Fritz, aktualisiert am 13.08.2015

Elektroräder sind in Deutschland der Renner: Mehr als zwei Millionen Räder mit Elektrounterstützung wurden bisher verkauft – und es werden jedes Jahr mehr. Bevor man jedoch in ein Elektrorad investiert oder ein gebrauchtes E-Bike kauft, sollte man auf ein paar Dinge achten. 

Pedelec, E-Bike oder S-Pedelec?

Elektrorad ist nicht gleich Elektrorad. Obwohl sich im Sprachgebrauch für alle Elektroradtypen der Begriff "E-Bike" durchgesetzt hat, gibt es im technischen und auch verkehrsrechtlichen Sinne Unterschiede zwischen einem echten E-Bike, einem Pedelec und einem S-Pedelec.

Die beliebtesten Elektroräder sind "Pedelecs". Laut Zweirad-Indrustrie-Verband (ZIV) wurden 2014 in Deutschland insgesamt 480.000 Elektroräder verkauft. 95 Prozent davon waren Pedelecs. Das Wort "Pedelec" ist eine Abkürzung des englischen Begriffs "Pedal Electric Cycle".

Der Elektromotor eines Pedelecs unterstützt den Fahrer beim Treten bis zu einer Maximalgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometer (km/h) und einer Leistung von 250 Watt. Wer noch schneller fahren möchte, muss umso kräftiger in die Pedale treten. Wie stark der Motor mitarbeitet, kann der Radfahrer in mehreren Stufen einstellen. Außerdem überwachen Sensoren die Trittfrequenz und die Kraft auf den Pedalen. Auch wenn es über eine Anfahr- oder Schiebehilfe verfügt, ist ein Pedelec rechtlich dem Fahrrad gleichgestellt. Deshalb darf man auch einen Fahrradanhänger damit ziehen.

E-Bike und S-Pedelec nur mit Führerschein

Andere Vorschriften gelten für "echte E-Bikes". Sie sind mit einem Elektromofa zu vergleichen und fahren, ohne in die Pedale zu treten, bis zu 20 km/h schnell. E-Bikes haben einen stärkeren Motor mit etwa 500 Watt Leistung. An ihnen muss ein Versicherungskennzeichen angebracht sein. Außerdem muss man mindestens einen Mofa-Führerschein besitzen, damit man sie fahren darf. Die Flitzer unter den Elektrorädern sind die "S-Pedelec" oder auch "Pedelec 45". Das "S" steht dabei für "Speed". Bis zu 45km/h Geschwindigkeit sind damit möglich. Weil ihr Motor so leistungsstark ist, gehören sie nicht mehr zu den Fahrrädern, sondern zu den Kleinkrafträdern. Deshalb gilt für die S-Pedelecs auch Helmpflicht, ein Mindestalter von 16 Jahren und ein gültiger Führerschein der Klasse AM. Kinderfahrradanhänger dürfen an S-Pedelecs oder E-Bikes nicht montiert werden.

Fahrrad mit vielen Vorteilen

Im Alltag bringen Pedelecs gerade älteren Menschen die Freude am Fahrradfahren zurück. Egal ob man in einer Gegend wohnt, in der es bergauf und bergab geht oder man auf dem flachen Land mit stetem Gegenwind zu kämpfen hat, mit einem Pedelec ist das kein Problem mehr. Der Fahrer tritt in einer angenehmen Frequenz und meistert jede Steigung spielend. "Gerade ältere Radfahrer bleiben mit einem Pedelec auch auf längeren Strecken mobil und sind unabhängig von Auto und öffentlichem Nahverkehr", sagt René Filippek, Fahrradexperte und Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC).

Größere, abwechslungsreichere Touren sind plötzlich wieder möglich, die zuvor wegen der Steigungen oder Entfernungen gemieden wurden. Sorgen, dass unterwegs die Puste ausgeht und die Kondition für den Heimweg nicht mehr reicht, sind ebenfalls Geschichte. Vorausgesetzt der Akku hat noch genug Strom.

Vorsicht im Straßenverkehr

Für den Straßenverkehr gelten für Pedelec-Fahrer keine anderen Regeln als für Radfahrer. Wer sein Elektrorad noch nicht lange hat, sollte jedoch gerade beim Anfahren an der Ampel vorsichtig sein. Der ungewohnte Schub des Motors kann zunächst die Kontrolle über das Fahrrad verringern. Deshalb in der Eingewöhnungsphase am besten die niedrigste Unterstützung dazuschalten, um das neue Fahrgefühl kennenzulernen. Je nachdem wo der Akku am Fahrrad angebracht ist, kann auch sein Gewicht den Schwerpunkt des Rades und damit die Fahreigenschaften verändern.

Vorsicht ist geboten, wenn es um andere Straßenverkehrsteilnehmer geht: "Autofahrer, Fußgänger und andere Radfahrer unterschätzen oft die relativ hohe Geschwindigkeit der Elektroräder. Wegen der Geschwindigkeit sind auch gut funktionierende Bremsen sehr wichtig", sagt ADFC-Sprecher René Filippek. Bevor man sich deshalb zum ersten Mal in den Straßenverkehr begibt, unbedingt auf einer ruhigen Nebenstraße das Bremsen, Schalten und Abbiegen üben, um ein Gefühl für das Rad und seine Eigenschaften zu bekommen. "Schwere Unfälle passieren gerade an Einmündungen immer wieder, weil Fahrradfahrer übersehen werden", so Filippek. Deshalb immer auch Ausschau nach anderen Fahrzeugen halten. Der Fahrradexperte rät: "Wer mit dem Schulterblick Probleme hat, sollte sich einen Rückspiegel an sein Rad montieren, um den rückwärtigen Verkehr im Auge zu haben."

Lohnt sich die Anschaffung?

Es gibt viele gute Gründe, um sich die Anschaffung eines Pedelecs durch den Kopf gehen zu lassen: Wer grundsätzlich gerne Fahrrad fährt, sich jedoch für größere Steigungen oder längere Strecken nicht mehr fit genug fühlt, wird von einem Pedelec profitieren. Endlich wieder mit dem Partner mithalten zu können und gemeinsam Touren ohne Leistungsunterschied zu fahren, dies ist mit einem Elektrofahrrad kein Problem. Auch aus ökologischen Gründen ist es eine echte Alternative zum Auto – gerade im Stadtverkehr: keine Abgase, keine Spritkosten, keine Parkplatzsuche, kein Lärm. Außerdem ist Radfahren gesund, egal ob man elektrische Unterstützung an Bord hat oder nicht: Man bewegt sich, erlebt die Natur, ist an der frischen Luft und tut etwas für seine Fitness.

Ein paar Gründe können auch gegen ein Pedelec sprechen: Wer sich auf einem Fahrrad grundsätzlich unsicher im Straßenverkehr fühlt, der wird einen Elektroflitzer nicht als sicherer empfinden. Ein Pedelec ist zwar leichter zu treten, es verbessert aber nicht die Fähigkeiten, um gut durch den Verkehr zu kommen. Auch steile Treppen, über die man das Rad tragen müsste, sind ein Ausschlusskriterium. Elektroräder sind mit durchschnittlich 25 Kilogramm wesentlich schwerer als herkömmliche Räder.

Darauf sollten Sie beim Kauf achten:

1. Fachberatung lohnt sich

Lassen Sie sich möglichst im Fachhandel beraten. Elektrofahrräder sind wegen der technischen Bestandteile beratungsintensiver als normale Fahrräder. "Nur im Fachhandel bekommt man fachkundige Beratung und schnelle Hilfe bei Problemen", empfiehlt auch Filippek. Vom Mountainbike bis zum Tourenrad gibt es mittlerweile jedes Modell auch mit Elektroausstattung. Vergleichen Sie mehrere Anbieter und verschaffen Sie sich einen Überblick über die gängigen Modelle und Preise.

2. Probefahrt ist wichtig

Unbedingt eine Probefahrt machen, um zu sehen, ob das Rad und sein Fahrverhalten den Vorstellungen entsprechen. Ob ein Rad "passt", hängt wesentlich von der Größe und der Form des Rahmens ab. Gerade für Senioren eignen sich Räder mit tiefem Einstieg. Tests von Stiftung Warentest haben jedoch gezeigt, dass einige dieser Radtypen bei höheren Geschwindigkeiten und mit Gepäck ein instabiles Fahrverhalten zeigen können. So begann bei höheren Geschwindigkeiten und Gepäck bei manchen Rädern der Lenker zu flattern. Der Grund: Den Rädern fehlt die Mittelstange, die das Rad zusätzlich stabilisiert.

3. Auf Qualität achten

Achten Sie auf hohe Sicherheits- und Qualitätsstandards. Räder mit Qualitätssiegel wie das GS-Zeichen für "Geprüfte Sicherheit" erfüllen hohe Prüfanforderungen. Auf Billigware sollte man lieber verzichten, denn, so die Erfahrung von Fillipek: "Modelle unter 1800 Euro haben häufig Probleme mit Qualität und Komfort, weil sie auf veraltete Technik setzen." Die moderne Technik des Akkus und des elektrischen Antriebs ist aufwendig und teuer – daher haben gute Pedelecs ihren Preis. "Pedelecs sind komplexe Elektrogeräte und keine simplen Fahrräder, da darf man keine Discountpreise erwarten", meint Filippek. Ein gutes Pedelec bekommt man ab 2000 Euro und aufwärts. "Grundsätzlich lohnt es sich in ein Qualitätsrad zu investieren, weil nur hochwertige Bauteile Langlebigkeit, Sicherheit und Fahrspaß garantieren", sagt der Fachmann.

4. Akku

Der Akku ist das Herzstück jedes E-Bikes. Er sollte abnehmbar sein und möglichst an einem niedrigen Schwerpunkt untergebracht sein. Den Gepäcktransport sollte der Akku nicht beeinträchtigen. Akkus sind aber auch Verschleißteile an denen sich die Qualität des Rades misst: Je nachdem wie intensiv das Rad im Einsatz ist, beträgt die Nutzungsdauer eines guten Akkus drei bis fünf Jahre oder etwa 1000 Ladezyklen. 

Wie Tests gezeigt haben, nimmt bereits nach 300 bis 500 Ladezyklen die Ladekapazität der Akkus ab. Wenn die Akkuleistung für die alltäglichen Wege nicht mehr ausreicht, muss er ersetzt werden, was bis zu 1000 Euro kosten kann. Wichtig zu wissen: Temperaturwechsel machen Akkus zu schaffen. Daher sollten sie nur bei Raumtemperatur gelagert und nicht im überhitzten oder unterkühlten Zustand geladen werden.

5. Reichweite

Hersteller geben gerne Reichweiten von über 100 Kilometer an. Im Normalbetrieb erreichen Räder jedoch durchschnittlich eine Reichweite von 60 bis 80 Kilometer – je nachdem wie stark der Elektroantrieb gefordert wird. Hochwertige Räder haben ein Display, auf dem die verbleibende Reichweite angezeigt wird. Dauertests haben ergeben, dass man mit 500 Ladezyklen ungefähr 20.000 Kilometer zurücklegen kann.

6. Kauf eines gebrauchten Pedelecs

Wenn es um ein gebrauchtes E-Bike geht, steht auch hier der Akku im Mittelpunkt, denn seine Nutzungsdauer beträgt rund drei bis fünf Jahre. Klar muss sein: Wie alt ist der Akku? Wie oft ist er aufgeladen worden? Und gibt es ihn noch als Ersatzteil? "In den letzten Jahren sind viele Pedelec-Hersteller auf den Markt gekommen aber auch wieder gegangen – nicht jedes Ersatzteil ist noch zu haben", so die Erfahrung von René Filippek. Weil der Akku ein Verschleißteil ist, sollte Ersatz noch viele Jahre erhältlich sein. Ansonsten ist es für den Laien schwierig zu erkennen, ob das gebrauchte Rad seinen Preis wert ist. Deshalb wenn möglich vor dem Kauf eines gebrauchten E-Bikes das Rad einem Fachmann zeigen.

7. Schiebehilfe fürs Anfahren am Berg

Ein Pedelec mit Schiebehilfe fährt auf Tastendruck selbstständig ohne Tretarbeit an und beschleunigt dabei auf zirka sechs km/h. Ist das Rad erst mal in Schwung, kann man leicht selbst mittreten. Ohne Schiebehilfe kann das Anfahren am Berg auch mit einem Pedelec sehr mühsam sein, weil das Rad erst eine Grundgeschwindigkeit von zirka fünf bis sechs km/h benötigt, bis der Motor als Unterstützung einsetzt. Daher sollten gerade Senioren eher nur Räder mit Schiebehilfe wählen.


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