Fitnessstudio: Was im Alter wichtig ist

Fitnessstudios werden bei Senioren immer beliebter. Damit das Training auch effektiv und sicher ist, sollten Sie bei der Wahl des Fitnessstudios auf ein paar Dinge achten
von Dagmar Fritz, 22.07.2015

Fitnessstudio: Bewegung zahlt sich in jedem Alter aus

iStock / Steve Debenport

Älter werden bedeutet heute für viele Senioren auch aktiv zu sein. Immer mehr Menschen machen bis ins hohe Alter Sport. Was sie antreibt, ist die Freude an der Bewegung, aber auch das Ziel, fit zu bleiben um möglichst lange unabhängig zu leben. Dabei haben Senioren seit einigen Jahren Fitnessstudios für sich entdeckt.

Fitnessstudio: In jedem Alter einsteigen

In Deutschland gibt es rund 8000 Sportstudios, in denen rund neun Millionen Mitglieder regelmäßig Gewichte stemmen, Gymnastikkurse besuchen oder auf dem Laufband ins Schwitzen kommen. "Die Anzahl unserer älteren Mitglieder steigt von Jahr zu Jahr", beobachtet auch Benjamin Bocksch, Mitinhaber und Personaltrainer eines Fitnessstudios südlich von München. Im Moment sind rund 20 Prozent der Mitglieder seines Fitnessstudios älter als 56 Jahre und knapp 10 Prozent sogar älter als 65 Jahre. Eine Altersgrenze nach oben scheint es dabei nicht zu geben: "Unser ältestes Mitglied ist ein 85-jähriger Herr, der regelmäßig zum Trainieren kommt."

"Damit das Training etwas bringt, bedarf es einer eingehenden Analyse des Fitnessstandes", sagt Michael Kämmerling, Inhaber des Sportmedizinischen Trainingszentrums in Schwerte und Experte für Seniorensport. 1000 Personen besuchen regelmäßig Kämmerlings Fitnessclub, 40 Prozent darunter sind 60 Jahre und älter – Tendenz steigend. In seinem Sportstudio arbeiten auch ausgebildete Physiotherapeuten und Sportlehrer, die Erfahrung haben mit gesundheitlichen Einschränkungen bei Sportlern.

Vor dem ersten Training untersuchen lassen

Teil der Eingangsanalyse ist ein ausführliches Aufnahmegespräch im Fitnessstudio in dem auch Vorerkrankungen, Handicaps und Trainingsziele besprochen werden. Über unterschiedliche Vitaltests wird der Fitnessstatus bestimmt. Erst danach kann ein individueller Trainingsplan erstellt werden, der auch auf die Schwachstellen jedes Einzelnen eingeht.

Für Chefarzt Dr. Bernd Langenstein, Sportmediziner und Institutsleiter der Sportmedizin am Klinikum Nürnberg, reicht das nicht aus. Er rät älteren Menschen vor Trainingsbeginn zu einer gründlichen Untersuchung bei einem Sportmediziner: "Damit der Sport im Alter der Gesundheit nützt, wird der Arzt den Sportler eingehend beraten und auch auf Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, künstliche Gelenke, Arthrose, Diabetes und die entsprechende Medikation eingehen", so Experte Dr. Langenstein. Jedoch sind weder Vorerkrankungen noch das Alter für den Sportmediziner ein Grund, auf Sport zu verzichten: "In jedem Alter ist Bewegung sinnvoll. Als Senior muss man nur ein bisschen vorsichtiger an die Sache rangehen, damit man sich nicht schadet", sagt der Experte.

Schmerzfrei, gezielt und regelmäßig trainieren

Wenn es ums Training geht, entwickeln Sportler mitunter einen ungesunden Ehrgeiz. "Sportler jeder Altersgruppe schätzen ihr Leistungsvermögen oft zu hoch ein und belasten sich deshalb beim Sport zu stark", so die Erfahrung von Dr. Langenstein. Ausdauer, Kraft, Muskelaufbau und Koordination sollten ältere Menschen regelmäßig trainieren. "Bei Senioren wird die Ausdauer den größten Teil umfassen, jedoch muss man auch Muskelaufbau und Koordination fördern, um dadurch Stürze zu verhindern", rät der Sportmediziner. Koordination lässt sich über Ballspiele gut trainieren. In manchen Studios gibt es auch spezielle Kurse mit vielen koordinativen Elementen. Am besten vor Ort danach fragen.

Kraft kann man effektiv an Geräten trainieren. Doch fürs Gerätetraining muss der Sportler im Fitnessstudio eine gute Anleitung bekommen. Ob die Anleitung ausreichend war, lässt sich für einen Laien oft nicht einschätzen. "Indirekt merkt man aber, wenn die Anleitung schlecht war, " so der Facharzt, "denn dann hat man nach dem Training Schmerzen und das sollte auf keinen Fall sein."

Regelmäßigkeit für Trainingseffekt wichtig

Damit der Sport auch zügig Wirkung zeigt, rät Fitnessexperte Kämmerling am besten zweimal die Woche ins Studio zu kommen, um Wirbelsäulengymnastik, Entspannungskurse oder auch das Training an den Geräten zu wiederholen. Wer es nicht so oft schafft, sollte zumindest alle zehn Tage trainieren. "Gerade für ältere Menschen hat der regelmäßige Besuch auch eine soziale Ebene", so Clubinhaber Kämmerling, "hier trifft man Gleichgesinnte und unterhält sich auch nach dem Training. Außerdem strukturiert der regelmäßige Besuch den Alltag."

Muskelaufbau statt Bewegungsmangel

Der Lohn für ein regelmäßiges und gezieltes Training ist ein stabiles Muskelkorsett und mehr Beweglichkeit. "Es klingt widersprüchlich, doch Bewegung schützt vor Verschleiß", sagt Dr. Langenstein und erklärt: "Die Muskeln stützen den Rumpf und die Gelenke und schützen so vor Verschleißerscheinungen." Zu wenig Bewegung im Alter kann hingegen eine gefährliche Abwärtsspirale nach sich ziehen: Durch Bewegungsmangel schwindet die Muskulatur verstärkt. Dadurch fehlt es vielen älteren Menschen wiederum an der Kraft, sich zu bewegen und ihre Aktivität geht weiter verloren.

Sport hat aber nicht nur positive Effekte auf die Muskeln, den Blutdruck oder den Blutzucker. "Studien haben gezeigt, dass Bewegung auch Demenz, Alzheimer und Depressionen vorbeugen kann", sagt Dr. Langenstein. "Beim Sport schüttet das Gehirn Neurotransmitter aus, die dem Körper gut tun." Das ist wohl auch der Grund, weshalb man sich zufriedener und selbstbewusster fühlt, wenn man sich ausgiebig bewegt hat.   

Große Preisspanne bei Fitnessstudios

Was die Kosten angeht, so unterscheiden sich die Beiträge je nach Angebot der Studios: Laut Deutschem Sportstättenverband beläuft sich der Monatsbeitrag in einem Fitnessstudio durchschnittlich auf etwa 45 Euro. Je nachdem wie hochwertig die Ausstattung ist und wie viele zusätzliche Leistungen angeboten werden, kann der Betrag aber auch deutlich nach oben abweichen. Discount-Studios, die mit sehr günstigen Monatsbeiträgen werben, sind für Senioren meist ungeeignet. "Dort sind überwiegend sehr junge Leute, die Leistungsbodybuilding betreiben", so Kämmerling.

Um zu testen, ob einem das Sportprogramm und die Atmosphäre auf Dauer gefallen, kann man in vielen Fitnessclubs auch 10er Karten kaufen. Ob Fitnessstudio oder Sportverein – egal wie man in seine Fitness investiert, es lohnt sich immer, meint auch Sportmediziner Dr. Langenstein: "Ziel sollte es für jeden sein, ein Leben lang in Bewegung zu bleiben, denn das zahlt sich besonders im Alter aus."

Checkliste: Daran erkennen Sie gute Fitnessstudios für Senioren

  • Ausreichend qualifizierte Trainer
  • Eingehender Fitnesscheck
  • Individueller Trainingsplan, der auf persönliche Handicaps eingeht
  • Gute Anleitung an den Geräten
  • Trainer gehen auf Kursteilnehmer ein 
  • Regelmäßige Kontrolle der Trainingsergebnisse 
  • Seniorengerechte Gymnastikkurse
  • Barrierefreier Zugang 
  • Einzelduschen

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