Knie: Übungen fürs Kunst-Gelenk

Ein künstliches Kniegelenk ist in der Regel gut belastbar. Mit diesen Übungen unterstützen Sie es
von Raphaela Birkelbach, aktualisiert am 25.05.2016

Trainieren nach Knie-Ersatz: Diese Übungen eignen sich für die Zeit nach der Reha

W&B/Judith Häusler

Um Patienten anzuspornen, braucht Dr. Christian Fulghum nur aus dem Fenster zu zeigen. Berge, Skilifte und Pisten in Sichtweite. Der Chefarzt der endogap Klinik für Gelenkersatz am Klinikum Garmisch-Partenkirchen schmunzelt. "Ja", sagt er, "mancher würde gerne sofort nach der OP wieder seine Ski unterschnallen." 

Doch hält das Kniegelenk das aus? Bis zu 180.000 solcher Prothesen setzen Ärzte in Deutschland jährlich ein. "Verläuft der Eingriff gut, kann jeder Patient das tun, was er mit dem gesunden Knie vorher auch konnte", betont Fulghum. Also je nach persönlicher Fitness wieder Treppen steigen, walken, Ski fahren.

Dr. Christian Fulghum aus Garmisch-Partenkirchen

W&B/Judith Häusler

Doch dafür braucht es viel Geduld und Disziplin. "Der Operateur ersetzt zwar das Gelenk, aber nicht die Muskeln um das Knie herum", betont der Chirurg. Dieser komplexe Halteapparat des Gelenks muss gezielt trainiert werden. "Es kann bis zu ein Jahr dauern, bis die gewohnte Beweglichkeit wieder vorhanden ist."

Neue Reize setzen für die Muskeln

Die Weichen dafür stellt das individuelle Training in der Reha. Danach droht oft Stillstand. "Viele Knieoperierte üben nicht mehr oder immer gleich", bedauert Björn Michel, der das Institut für Bewegungsanalyse und Sportmedizin am Klinikum Garmisch-Partenkirchen leitet. Um zur alten Form zurückzufinden, benötigt die Muskulatur neue Reize.

"Die Muskeln müssen vom Fuß bis zum Gesäß gestärkt werden. Nur so halten sie das Bein gerade und stabilisieren das Knie", sagt Michel. Physiotherapeuten und Fachkräfte in Fitnessstudios kennen das richtige Pensum und wissen, wo die Grenzen liegen. Auch zu Hause können Patienten üben.

So trainieren Sie richtig


Für wen?
Für Patienten mit Knieprothese, die nach der Reha zu Hause weitertrainieren wollen.


Wie oft?
Am günstigsten sind pro Übung drei Durchläufe mit jeweils zehn Wiederholungen. Trainieren Sie in der Woche drei bis fünf Mal. Wichtig ist: Die Übung bleibt exakt.


Wie das Pensum steigern?
Wenn Sie im Bewegungsablauf sicher sind: Erst die Anzahl der Übungseinheiten pro Woche steigern, dann Wiederholungen steigern. Anschließend Intensität erhöhen, beispielsweise mit Theraband oder Kissen üben.


Was tun bei Schmerzen?
Pause einlegen. Bleiben die Beschwerden oder schwillt das Knie an, zum Arzt!


Sieben Übungen für künstliche Knie

W&B/Judith Häusler

1. Treppe steigen

Sie stehen aufrecht und hüftbreit, die Hände liegen auf der Hüfte. Stellen Sie den rechten Fuß (betroffenes Bein) auf die Stufe. Heben Sie nun den linken Fuß in Höhe der Stufe an. Angewinkeltes Bein kurz halten, Fuß absetzen.

Was bringt's? Verhindert ein Wegknicken des Knies.

W&B/Judith Häusler

2. In die Knie gehen

Sie stehen hüftbreit. Das Gymnastikband sitzt straff um die Oberschenkel, Sie spüren Widerstand. Nun die Arme ausstrecken, Hände verschränken. Senken Sie jetzt Ihr Gesäß nach hinten – so, als ob Sie sich auf einen Stuhl setzen wollten. Langsam wieder aufrichten. 

Was bringt's? Stärkt Gleichgewicht und Beinmuskeln.

W&B/Judith Häusler

3. Brücke bauen

Legen Sie sich auf den Rücken, und stellen Sie die Fersen hüftbreit auf. Heben Sie nun langsam das Becken, bis Rücken und Oberschenkel eine Linie bilden. Dann das Becken langsam absenken, die Gesäßmuskeln dabei aktiv anspannen. Sobald der Po die Matte berührt, wieder anheben.

Was bringt's? Stabilisiert den Rücken.

W&B/Judith Häusler

4. Seitwärts schreiten

Ausgangsposition wie bei "In die Knie gehen". Machen Sie nun mit dem linken Bein gegen den Widerstand des Therabands einen Schritt zur Seite. Ziehen Sie dann das operierte Bein nach, bis Sie wieder hüftbreit stehen (Oberkörper bleibt gerade). Dann mit rechtem Bein zurück in die Ausgangsposition.

Was bringt's? Kräftigt Oberschenkel und Gesäß.

W&B/Judith Häusler

5. Bein heben

Halten Sie sich an einem Stuhl fest (wenig Last auf den Händen!). Spreizen Sie Ihr rechtes – operiertes – Bein leicht nach außen. Die Bewegung kommt nur aus dem Hüftgelenk, das Becken dreht sich nicht mit.

Was bringt's? Stärkt die Gesäßmuskeln.

W&B/Judith Häusler

6. Schritt machen

Machen Sie mit rechts (operiertes Bein) einen großen Schritt nach vorn auf ein Kissen. Dabei den ganzen Fuß belasten, Oberkörper bleibt aufrecht, Becken weicht nicht aus. Führen Sie einen Ball mit gestrecktem Arm nach rechts und links. Balance halten.

Was bringt's? Gut für die Koordination.

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7. Muschel öffnen

Sie liegen in linker Seitenlage, das untere Bein ist ausgestreckt, das obere (betroffene) Bein liegt leicht angewinkelt darauf. Das Becken kippt jetzt automatisch bauchwärts. Bewegen Sie nun nur das obere Knie leicht nach oben. Die Bewegung kommt aus der Hüfte. Knie wieder sanft senken.

Was bringt's? Kräftigt Muskeln an der Hüfte.

W&B/Judith Häusler

Björn Michel vom Institut für Bewegungsanalyse und Sportmedizin am Klinikum Garmisch-Partenkirchen hat die Übungen für den Senioren Ratgeber zusammengestellt.

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