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Wenn Haustiere krank werden: Lohnt sich eine Krankenversicherung?

Tierarztbesuche sind teuer. Wann sich eine Krankenversicherung für den kleinen Liebling lohnt.

von Silke Becker, 23.08.2021

Bello und Mieze gehören zur Familie und sollen gut versorgt sein, wenn sie krank sind. "Aufwendige Behandlungen und Operationen können leicht mehrere Tausend Euro kosten. Nach oben gibt es kaum Grenzen", sagt Tierärztin Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte (BPT). Bei Erkrankungen wie Krebs können nicht nur die Behandlung, sondern auch die Diagnostik und eine Reha sehr teuer werden.

"Aus Angst vor den Kosten kommen manche Halterinnen und Halter viel zu spät in die Praxis", so die Erfahrung der Tierärztin. Das verteuert die Therapie. Ganz zu schweigen davon, dass man im schlimmsten Fall nichts mehr für den geliebten Vierbeiner tun kann.

Tierkrankenversicherungen werben damit, vor solchen Kosten zu schützen. Sie bieten entweder reine OP-Versicherungen an oder Volltarife, die auch bei Erkrankungen des vierbeinigen Lieblings zahlen. Daneben gibt es Policen, die ausschließlich Behandlungskosten nach einem Unfall abdecken.

Mit Selbstbeteiligung rechnen

"Tierhalter wiegen sich in der Sicherheit, dass mit dem Abschluss der Versicherung alle Kosten übernommen werden", sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Diese Annahme ist falsch, denn viele Anbieter verlangen eine Selbstbeteiligung.

Bei einer Behandlung für 4000 Euro und einer Selbstbeteiligung von 20 Prozent muss man also trotz Versicherung noch 800 Euro aus eigener Tasche zahlen. "Kalkulierbarer ist eine feste Selbstbeteiligung, beispielsweise 250 Euro", sagt der Versicherungsexperte.

Häufig decken die Verträge auch nicht jede Behandlung ab, etwa bei Hüftdysplasie. Auch Vorsorge-Checks, Impfungen und Kastrationen zahle nicht jeder Anbieter.

Zu beachten seien außerdem Höchstgrenzen für die Kostenerstattung, beispielsweise 2500 Euro pro Jahr. Meist müssen die Versicherungsnehmerinnen und Versicherungsnehmer auch sogenannte Obliegenheiten erfüllen, um den Versicherungsschutz nicht zu gefährden – etwa bestimmte Impfungen vorweisen.

Je umfangreicher die Leistungen und je älter das Tier, desto teurer wird die Police in der Regel. Rundum-Schutz, bei dem praktisch alle Kosten übernommen werden, kostet bei einem Hund zwischen 50 und 100 Euro pro Monat, bei einer Katze 25 Euro plus. Reine OP-Versicherungen sind günstiger, bieten aber auch weniger Leistungen.

Leistungskatalog überprüfen

Ob man dieses Geld Monat für Monat aufbringen oder selbst etwas für den Erkrankungsfall zurücklegen will, muss jeder individuell abwägen. Verbraucherschützer sehen die Angebote aufgrund der vielen Leistungseinschränkungen kritisch und raten, wenn überhaupt, am ehesten zu einer OP-Versicherung. "Wer sich zum Abschluss entscheidet, sollte nicht nur die Preise, sondern vor allem die Leistungseinschränkungen genau überprüfen", empfiehlt Opfermann. Dabei helfen Online-Vergleichsportale, die Verbraucherzentralen und Stiftung Warentest.

Darauf sollten Sie beim Abschluss achten:

  • Wie hoch ist der Eigenanteil?
  • Gibt es eine Wartezeit?
  • Übernahme aller Kosten oder gibt es Höchstgrenzen?
  • Beitragssteigerung, wenn das Tier älter wird?
  • Vorsorge-Checks, Impfungen Kastration enthalten?
  • Diagnostik und Nachbehandlungen bei OPs enthalten?
  • Einschränkungen bei bestimmten Erkrankungen oder Rassen?
  • Wird mindestens der dreifache Satz der Gebührenordnung für Tierärzte übernommen?