Pflegeheim: Ein Ort zum Wohlfühlen?

Ob es Mutter im Heim wirklich gut geht, lässt sich nicht leicht beurteilen. Welche Fragen dabei helfen

von Raphaela Birkelbach, 21.03.2018
Seniorin im Garten

Glückliches Lächeln: Das sagt oft mehr als viele Worte


In Deutschland leben rund 780 000 Menschen in Pflegeeinrichtungen. Angehörige sind sich oft nicht sicher, wie es um das Wohlbefinden der Umsorgten steht. "Lebensqualität lässt sich messen. Das ist aber ein komplexes Unterfangen, weil sie jeder neu definiert", weiß Weidekamp-Maicher. Auf die Frage "Wie fühlst du dich?" antwortet mancher Bewohner unehrlich, weil er Nachteile befürchtet. Viele können sich schlecht äußern oder täuschen gute Gefühle vor, fügen sich aber nur resigniert in ihr Schicksal. Und ein Bewohner, der depressiv ist, Schmerzen hat oder sich abgeschoben fühlt, "ist möglicherweise auch mit einer hohen Versorgungsqualität unzufrieden", betont die Professorin.

Aufstehen, wann man will

Schwierig. Angehörige können nur abwägen, auf die Körpersprache ihres Schützlings achten und versuchen, sich mit gezielteren Fragen in seine Gemütslage einzufühlen. Diese sollten sich auf alle Lebenslagen beziehen, betont Weidekamp-Maicher. Etwa den Heimalltag: Schmeckt das Essen? Gibt es Einzelzimmer? Hilft die Schwester beim Aufstehen? Gibt es passende Freizeitangebote? Ebenso wichtig: "Trotz Pflegebedürftigkeit selbstbestimmt handeln können", erläutert Dr. Dietrich Engels vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) in Köln. Im Rahmen einer Studie hat Engels gemeinsam mit Pflegespezialisten der Universität Bielefeld Fragebögen entwickelt, um die Lebensqualität im Heim zu bewerten.

"Angehörige sollten sich erkundigen, ob der Bewohner in Eigenregie entscheidet, wann er aufsteht, zu Mittag isst oder sich mit Besuch zurückziehen kann." Ob sich jemand im Heim wohlfühlt, ist auch eine Frage der Würde. Wird sie in der Einrichtung gewahrt? Schon kleine Gesten zeigen das. "Das Personal klopft an, wenn es ins Zimmer kommt", so der Kölner Soziologe. Oder es achtet beim Waschen auf die Intimsphäre, ist höflich, nimmt sich Zeit und hört zu. Gut, wenn Ihr Angehöriger diese Wertschätzung im Heim auch erfährt.

 

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