Schnupfentherapie mit kleinen Tücken

Rezeptfreie Mittel lindern Husten und Schnupfen, Fieber und Gliederschmerzen. Aber nicht immer vertragen sie sich mit Dauermedikamenten. Was chronisch Kranke beachten sollten.

von Dr. Martin Allwang, 11.12.2018

Für etwa 690 Millionen Euro kauften sich deutsche Patienten im vergangenen Jahr Husten- und Erkältungsmittel. Rezeptfreie Arzneimittel tragen dazu bei, dass die Nachtruhe nicht durch trockenen Reizhusten gestört wird, dass die verstopfte Nase sich nicht zur Nebenhöhlenentzündung auswächst und dass das Fieber nicht so stark ansteigt, dass es für den Organismus eine unmäßige Belastung darstellt.

Erkältete sollten sich jedoch in der Apotheke beraten lassen, sagt Dr. Eric Martin, Apotheker aus Marktheidenfeld und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bundesapothekerkammer. Das gilt besonders für Menschen über 60. "Wer wegen bestehender Erkrankungen schon mehrere Medikamente nimmt, riskiert Wechselwirkungen", warnt Martin. Deshalb empfiehlt er: "Behandeln Sie gezielt nur die Symptome, die Sie wirklich haben, und nehmen Sie lieber Mittel zur örtlichen Anwendung als solche zum Einnehmen."

Beispiele für einen kritischen Mix von Arzneimitteln:

Herz-Kreislauf-Mittel und Schmerzmittel Ibuprofen

Viele Herz-Kreislauf-Patienten erhalten Acetylsalicylsäure in niedriger Dosis. Das soll verhindern, dass sich die Blutplättchen zu einem Pfropf zusammenballen und einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verursachen.

Warum ist der Mix bedenklich?

Ibuprofen gegen Fieber oder Gliederschmerzen kann den plättchenhemmenden Effekt der Acetylsalicylsäure aufheben. Schmerz- und Entzündungshemmer wie Ibuprofen mindern zudem die Wirkung mancher Blutdrucksenker. Besonders kritisch ist die Einnahme von solchen Schmerzmitteln bei Patienten, die unter einer Herzmuskelschwäche oder einer eingeschränkten Nierenfunktion leiden. Sie sollten vor der Anwendung zur Sicherheit den Arzt fragen.

Gibt es Alternativen?

Allgemein gilt: Fieber muss nicht immer gesenkt werden, denn es hilft dem Körper bei der Abwehr der Krankheitskeime. Außerdem ist Fieber ein Alarmzeichen, dass es sich um mehr als eine banale Erkältung handelt. Sprechen Sie deshalb mit dem Arzt. Hält er eine Fieber­senkung mit Medikamenten in Ihrem Fall für angebracht, kann eine kurzfristige Therapie mit Paracetamol in Frage kommen.

Blutdruckpräparate und gefäßverengendes Schnupfenmittel

Kombipräparate gegen Erkältungssbeschwerden enthalten oft schmerz- und fiebersenkendes ASS oder Ibuprofen und einen gefäßverengenden Stoff wie Pseudoephedrin oder Phenylephrin, um die Nase frei zu machen.

Warum ist der Mix bedenklich?
Bluthochdruck- und Herzpatienten sollten solche Kombipräparate besser
meiden, weil sie den Blutdruck in die Höhe treiben können.

Gibt es Alternativen?
Gegen Schnupfen sind abschwellende Nasensprays besser geeignet. Verwenden Sie das Spray aber nicht öfter als drei Mal am Tag und nicht länger als sieben Tage, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden. Sprays, die zusätzlich Meersalz oder Dexpanthenol enthalten, trocknen die Nasenschleimhaut weniger stark aus. Auch gut bei verstopfter Nase: Dampfinhala­tionen mit ätherischen Ölen.

Gerinnungshemmer und Fiebersenker Acetylsalicylsäure

Acetylsalicylsäure wirkt gegen Fieber und Gliederschmerzen, sollte aber nicht mit Gerinnungshemmern kombiniert werden.

Warum ist der Mix bedenklich?

Wer Gerinnungshemmer bekommt, sollte auf Acetylsalicylsäure (ASS) besser verzichten. Andernfalls können Blutungen auftreten.

Gibt es Alternativen?
Wenn es sinnvoll ist, das Fieber zu senken: Paracetamol eignet sich besser.

Antidepressiva und klassischer Hustenblocker

Der Hustenstiller Dextromethorphan (kurz DMP) lindert trockenen Reiz-
husten, sodass der Patient nachts durchschlafen kann.  Nimmt er zusammen mit DMP bestimmte Anti­depressiva ein, kann es zu einer ernsten Wechselwirkung kommen.

Warum ist der Mix bedenklich?
Es kann sich ein Serotonin-Syndrom entwickeln, das sich unter anderem durch extreme Unruhe, Muskelzittern und Pulsanstieg äußert.  

Gibt es Alternativen?
Leichtere Beschwerden lindern auch Pflanzenextrakte, etwa mit Spitzwegerich, Eibisch oder Efeu. Diese sind als Saft, Tropfen oder als Lutschtabletten erhältlich. Wichtig: Wenn der trockene Reizhusten länger als eine Woche ­­besteht und nicht mit anderen Erkältungszeichen einhergeht, sollte ein Arzt die Ursache abklären.

Augentropfen gegen grünen Star und Kombipräparate mit Antihistaminika

Kombimittel gegen Erkältungsbeschwerden enthalten manchmal Antihistaminika, die normalerweise gegen Allergien verwendet werden. In Erkältungsmitteln sollen sie Fließschnupfen lindern und durch ihre müde machende Nebenwirkung den Schlaf fördern.

Warum ist der Mix bedenklich?
Diese Stoffe können im Alter häufig auftretende Krankheiten verschlimmern, etwa Prostatabeschwerden oder einen grünen Star.

Gibt es Alternativen?
Salzhaltige Nasensprays lindern laufende Nasen auf sanfte Art und recht zuverlässig.