Fragen und Antworten zu Cholesterin

Wie Bluthochdruck und Rauchen erhöht auch ein hoher LDL-Cholesterin-Spiegel das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Was Sie selbst tun können und wann Medikamente notwendig sind.

von Elke Schurr , 05.04.2019

Welche Blutfette misst der Arzt?

Begutachtet wird nicht nur der Gesamt­cholesterinwert eines Patienten. Den Arzt interessieren besonders die Cholesterin-Unter­formen LDL und HDL. Vor allem LDL gilt als Mitverursacher von Gefäßablagerungen. Daneben liefert eine weitere Fett-Untergruppe, die sogenannten Triglyzeride, wichtige Informationen über das Gefäßrisiko.

Welche Nahrungsfette sollte man besser meiden?

Wer gesättigte Fette durch mehrfach ungesättigte ersetzt, tut seiner Gesundheit etwas Gutes. "Viele gesättigte Fettsäuren stecken etwa in Wurstwaren, Fertiggerichten und auch im Palmfett", warnt Pro­fessor Stefan Lorkowski, Ernährungswissenschaftler aus Jena. "Sie erhöhen das LDL-Cholesterin." Unge­sättigte Fettsäuren tun das nicht. Besonders emp­­fehlenswert: fetter Meeresfisch. Er ist reich an besonders gesunden ­Omega-3-Fettsäuren – gut ­gegen Arteriosklerose und Entzündungen im Körper.

Was machen Cholesterinsenker?

Bei hohen Cholesterinspiegeln im Blut werden häufig Fettsenker verordnet, deren Wirkstoffname auf - statin endet, wie etwa Simvastatin oder Pravastatin. Die Medikamente drosseln die körper­eigene Bildung von Cholesterin in der Leber, indem sie ein Enzym hemmen. Zudem wirken sie entzündungshemmend und verringern das Risiko für einen akuten Gefäßverschluss.

Wer braucht Choleste­rin­senker?

Menschen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, bekommen in der Regel Statine verordnet, um das Risiko für einen zweiten Infarkt zu senken. Wie aber sieht es aus bei Patienten, die zwar erhöhte LDL-Werte haben, aber ansonsten gesund sind? Profitieren auch sie? Eine Entscheidungshilfe bietet die individuelle Gesamtsituation: Denn ob und wie sehr der LDL-Wert mit einem Medikament gesenkt werden soll, hängt nicht nur davon ab, wie hoch der Ausgangswert ist. Eine Rolle spielt zudem, ob der Patient zusätzliche Gründe für ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hat: also ob er unter Bluthochdruck oder unter Diabetes leidet, ob er raucht, stark übergewichtig ist, sich ­ungesund ernährt und kaum bewegt, auch ob er ein erblich erhöhtes Herzinfarkt- oder Schlag­anfallrisiko hat.

Haben die Cholesterinsenker Nebenwirkungen?

Statine verursachen häufig muskelkaterartige Schmerzen. "Auch wenn das meist harmlos ist: Sprechen Sie trotzdem ­sofort mit Ihrem Arzt, sobald Sie derartige Beschwerden bei sich bemerken", rät Professor Bernd Mühlbauer, Pharmako­loge in Bremen. "In seltenen Fällen kann das auf eine gefährliche Komplikation hinweisen." ­Außerdem gibt es Anzeichen, dass die Medikamente den Blut­zucker erhöhen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten: Er kann Ihnen eventuell ein anderes Statin verschreiben.

Muss man die Cholesterinsenker ein Leben lang einnehmen?

"Statine helfen, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu vermeiden", betont der Kardiologe Professor Ulrich Laufs aus Leipzig. Dieser Effekt ende nicht mit 65 oder 75, sondern gelte lebenslang. "Der Arzt sollte Nutzen und Risiko in jedem Einzelfall bedenken", fordert dagegen Professor Bernd Mühlbauer. "Je älter ein Mensch ist, desto sorgfältiger muss man den Nutzen einer Therapie gegen mögliche Risiken durch Neben­wirkungen abwägen. Auch Wechsel­­wirkungen müssen dabei bedacht werden, da ältere Patienten oft weitere Medikamente einnehmen."

Hat jeder dasselbe Infarktrisiko?

Jeder von uns hat ein individuelles Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu ­erleiden. Der Arzt unterscheidet sehr hohes, hohes und mäßiges von einem niedrigen Risiko. Es hängt von vielen Faktoren ab. Einige davon können wir beeinflussen, etwa das Gewicht, den Bewegungsmangel oder das Rauchen. Andere nicht, wie das Alter, die erblichen Veranlagungen oder das Geschlecht. Der Arzt schätzt das individuelle Risiko ab und bespricht mit dem Patienten, welche Maßnahmen nötig sind: von Lebensstiländerungen bis hin zu Medikamenten.

Welche Mittel vertragen sich nicht mit Statinen?

Ein paar Medikamente können den Cholesterinsenkern in die Quere kommen: Dazu zählen Antibiotika, Anti-Pilzmittel, manche Blutdrucksenker, auch Grapefruitsaft. Umgekehrt können Statine den Effekt bestimmter Herzmittel oder Gerinnungshemmer verstärken. Klären Sie deshalb mit Ihrem Arzt oder Apotheker, welche Ihrer Arzneien mit den Choleterinsenkern gut vereinbar sind.

Gibt es noch andere Fettsenker zum Einnehmen?

Wenn Statine allein die LDL-Werte eines Patien­ten nicht ausreichend senken, kann der Arzt zusätzlich den Wirkstoff Ezetimib verordnen.

Reicht es, nur Tabletten einzunehmen?

Ob gegen hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck oder Diabetes: Medikamente alleine reichen nie. Ein ­gesunder Lebensstil zahlt sich in jedem Fall aus. Nur wer sich regelmäßig bewegt, gesunde Fette isst, nicht mehr raucht und Über­gewicht abbaut, kann sein Risiko für Herz-Kreislauf- Probleme nachhaltig verbessern. "Achtet ein Patient auf einen gesunden Lebensstil," so Professor Mühl­bauer, "lassen sich dadurch oft die Medikamente in ihrer Dosis verringern oder ganz vermeiden."

Hilft es auch, nur gesünder zu essen?

"Es lohnt sich, die Ernährung umzustellen, um die Blutfette positiv zu beeinflussen", betont Ernährungswissenschaftler Lorkowski. Faustregel: mehr Fisch statt Fleisch, wenig Wurstwaren, mehr Gemüse, Obst und Ballaststoffreiches statt Weißbrot und Nudeln, und zum Knabbern eine Handvoll Nüsse statt Chips. Auch regelmäßige Ausdauerbewegung und der Abbau von Übergewicht wirken günstig auf das LDL-Cholesterin; sie verbessern obendrein Blutdruck und Blutzucker.